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Zentralasien – das künftige Wirtschaftszentrum

zentralasien Zentralasien CC BY-SA 4.0 Abt. f Kartogr. UNO

Zusammenfassung:
Ein analytischer Artikel über die Tatsache, dass sich in den letzten Jahren im Zentrum des eurasischen Kontinents allmählich ein ernst zu nehmender Wirtschaftscluster gebildet hat. Der Punkt ist, dass China seine Hauptproduktionsstätten allmählich von der Ostküste seines Landes ins Landesinnere verlagert, nämlich an die Grenzen zu diesen zentralasiatischen Ländern. Gleichzeitig modernisieren Usbekistan und Kasachstan aktiv ihre Volkswirtschaften und wollen mehr ausländische Investitionen anziehen. So vereinbarten Kasachstan, Usbekistan und die USA im Januar dieses Jahres im Rahmen des C5+1-Programms eine neue Investitionspartnerschaft im Wert von 1 Milliarde US-Dollar. 

Darüber hinaus planen einige große ausländische Unternehmen, ihre Produktionsstätten in naher Zukunft nach Zentralasien zu verlagern, da dort billige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und der Markt wächst. Kurz gesagt, Zentralasien und sein Gebiet stehen im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aufmerksamkeit der USA und Europas.

Seit 2020 setzt das österreichische Unternehmen gemeinsam mit der OSZE ein Programm zur Digitalisierung der kaspischen Häfen Baku, Aktau, Kuryk und Turkmenbaschi um; außerdem ist der Kauf von Zolllagern auf dem Gelände des Terminals in Baku geplant. Es entsteht dadurch ein zunehmender Bedarf an neuen Transport- und Logistikrouten, um das Zentrum Eurasiens mit den EU-Ländern zu verbinden. Große europäische Fluggesellschaften bereits mit dieser Arbeit begonnen: Im November 2019 unterzeichneten die Rail Cargo Group (Österreich) und die Cabooter Group (Niederlande) im Hafen von Baku eine Vereinbarung zur Ausweitung des Güterverkehrs von Europa nach Zentralasien und China. (Die Rail Cargo Group ist eine österreichische Tochtergesellschaft der Österreichischen Bundesbahnen mit einem Jahresumsatz von 130 Millionen Tonnen Gütern.)

Generell spielt die Produktion in Zentralasien eine immer größere Rolle, und es werden neue Transportrouten und -wege benötigt, die über die kaspische Region und ihre Wassermöglichkeiten führen.

Der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms, betonte am 27. September bei einem Treffen mit der offiziellen Delegation Usbekistans, dass die zentralasiatische Region auch weiterhin zu den Schwerpunkten der deutschen Wirtschaftspolitik gehören wird. Als vielversprechende Kooperationsbereiche nannte er die Zusammenarbeit in der Chemie-, Elektro-, Agrar-, Automobil-, Bergbau-, Maschinenbau-, Umwelt- und Digitalindustrie. Er hob besonders den Ausbau der Verkehrsverbindungen hervor.

Trotz der Pandemie und der Instabilität in Afghanistan verfügt die zentralasiatische Region aufgrund ihres großen Reichtums an Bodenschätzen, ihres hohen Anteils an jungen Menschen und ihrer strategischen Lage zwischen Europa und Asien über ein hohes Entwicklungspotenzial. Dies macht Zentralasien zu einem Sprungbrett für nachhaltiges Wachstum und Entwicklung in der Weltwirtschaft.

Die fünf zentralasiatischen Volkswirtschaften weisen ähnliche Strukturen auf: Sie sind reich an natürlichen Ressourcen, ihre Bevölkerung wächst und die Arbeitskosten sind niedrig. Die Investitionen in Zentralasien konzentrieren sich seit jeher auf die Rohstoffindustrie und machen rund 59 % aus. Die meisten Länder der Region führen jedoch umfassende Reformen durch, um die Abhängigkeit ihrer Volkswirtschaften von den Öl- und anderen Rohstoffmärkten zu verringern. So führt die usbekische Regierung Maßnahmen durch, um ihre Wirtschaft für Investoren aus dem Ausland zu öffnen, während Kasachstan sich darauf konzentriert, durch die Einrichtung des internationalen Finanzzentrums Astana globale Investitionen anzuziehen.

Die Eurasische Entwicklungsbank (EDB) erwartet für die zentralasiatischen Staaten ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 4 %, für Kirgisistan und Tadschikistan von 5,1 % bzw. 7,4 %. Die UNO schätzt, dass die CA-Länder ihr regionales BIP in den nächsten 10 Jahren mindestens verdoppeln werden.

In Kasachstan, der am weitesten entwickelten Volkswirtschaft der Region, wurde 2020 das dritte Programm für die industrielle und innovative Entwicklung des Landes eingeleitet, das bis 2025 angelegt ist. In den vergangenen fünf Jahren wurden mehr als 500 neue Industrieanlagen in Betrieb genommen. Die metallurgische Produktion ist um das 2,2-fache gestiegen, der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Industrie hat sich von 31,8 % auf 41,6 % erhöht, und die Ausfuhren von Industrieerzeugnissen haben 70 Milliarden Dollar erreicht.

In den letzten zehn Jahren ist die Industrieproduktion Usbekistans jährlich um durchschnittlich 8,4 % gewachsen. Der Hauptwachstumstreiber im Jahr 2020 war das verarbeitende Gewerbe, das seine Produktion um 7,1 % (6,6 % im Jahr 2019) steigerte. Im Jahr 2020 wurden im Land 197 große und Tausende von kleinen und mittleren Unternehmen und Infrastruktureinrichtungen gebaut. Insbesondere wurden ein Ammoniak- und Harnstoffkomplex, eine Salpetersäureanlage, Flüssiggasanlagen in den Ölförderanlagen Mubarek, Gazli und Shurtan sowie das Hüttenwerk Taschkent in Betrieb genommen.

Mehr als 500 moderne Unternehmen haben ihre Tätigkeit in IT-Parks in den Regionen Taschkent, Andischan, Dschissach, Kaschkadarja, Samarkand, Syrdarja und Ferghana aufgenommen. Die Pläne für 2021 sind nicht weniger beeindruckend: 226 große Industrie- und Infrastrukturanlagen sollen in Betrieb genommen werden. Außerdem sollen in 84 Bezirken und Städten des Landes 100 neue Technoparks, kleine Industriezonen, regionale Cluster und Logistikzentren eingerichtet werden, um deren industrielles Potenzial zu entwickeln.

Auch die Pläne Turkmenistans zur Umsetzung des TAPI-Gaspipelineprojekts sind weiterhin von Bedeutung. Natürlich wird die Situation derzeit durch die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und das völlige Chaos im Lande ernsthaft erschwert. Aber Aschgabat hat es immer geschafft, eine gemeinsame Sprache mit den Taliban zu finden, und keine Regierung wird Geld für den Gastransit verweigern.

Man darf auch nicht vergessen, dass China beabsichtigt, seine Industrieproduktion von der Ostküste ins Landesinnere zu verlagern. Peking versucht nun, die wirtschaftliche Entwicklung der verschiedenen Landesteile anzugleichen, und zwar nicht nur, um das Wirtschaftswachstum in den politisch wichtigen und energiereichen westlichen Regionen zu fördern, sondern auch, um die Umweltsituation im Osten zu verbessern, insbesondere in den verschmutzten und überlasteten Deltas des Jangtse und des Zhujiang. Das Entstehen eines leistungsfähigen Produktionsclusters in unmittelbarer Nähe der Grenzen der zentralasiatischen Region würde die wirtschaftliche Entwicklung der dortigen Republiken sicherlich fördern.

All dies deutet darauf hin, dass die zentralasiatische Region in den kommenden Jahrzehnten zu einem neuen Wachstumspunkt für die Weltwirtschaft und damit zu einem vielversprechenden Markt für High-Tech-Produkte werden könnte. Damit eröffnet sich ein weites Feld für die Interaktion mit den europäischen Ländern.

Im Jahr 2019 belief sich der Handel zwischen der EU und Zentralasien auf 32,289 Milliarden Euro. Im Juni 2019 wurde eine neue Strategie mit dem Titel „Die EU und Zentralasien: Neue Chancen für eine engere Partnerschaft“ angenommen, die sich auf Bereiche wie sozioökonomische Entwicklung, Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen und regionalen Handel konzentriert.

Das Hauptproblem wird derzeit in der schlechten Verkehrsanbindung der zentralasiatischen Region an die europäischen Länder gesehen. Zentralasien liegt weit entfernt von den Weltmeeren und den wichtigsten entwickelten Verkehrswegen. Bisher sticht in der Region nur das chinesische Projekt der Neuen Seidenstraße hervor, das Deutschland und die VR China auf dem Schienenweg über Kasachstan, Russland, Weißrussland und Polen miteinander verbindet. Es versteht sich von selbst, dass das Vorhandensein einer einzigen gut ausgebauten Strecke für das wachsende Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke völlig unzureichend ist. Und ein Monopol hat immer negative Auswirkungen auf die Frachttarife.

Einige große europäische Transport- und Logistikunternehmen, die sich dieser Risiken bewusst sind, nehmen bereits die Schlüssel zum Zentrum Eurasiens in die Hand. Am 26. November 2019 unterzeichneten der Hafen von Baku, die österreichische Rail Cargo Group (eine Tochtergesellschaft der Österreichischen Bundesbahnen) und die niederländische Cabooter Group eine Vereinbarung zur Ausweitung des Güterverkehrs von Europa nach Zentralasien und China über das Kaspische Meer. Der erste Testzug, der von der chinesischen Stadt Xi'an über das Kaspische Meer in die Tschechische Republik geschickt wurde, erreichte sein Ziel in 18 Tagen, doppelt so schnell wie die Strecke durch den Suezkanal und so schnell wie die Neue Seidenstraße. Experten zufolge könnte das Güterverkehrsaufkommen auf dieser Strecke in naher Zukunft 1,5 Millionen Tonnen erreichen.

Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Quelle: Russland.Capital, Hartmut Hübner; Titelbild: Zentralasien CC BY-SA 4.0 Abt. f Kartogr. UNO

Empfohlene LINKS:

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WIKIPEDIA - Zentralasien
Europäisches Parlament - Kurzdarstellungen zur Europäischen Union - Zentralasien
GIZ - Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit - Erleichterung des grenzüberschreitenden Handels in Zentralasien
Ost-Aussschuss der Deutschen Wirtschaft - Zentralasien auf dem Weg aus der Corona-Krise
DAZ Deutsche Allgemeine Zeitung - „Ein interessanter Markt mit viel Potential“
BW Das Bildungswerk der Wirtschaft MV - Zentralasien
FRIEDRICH EBERT STFTUNG - THE EU STRATEGY ON CENTRAL ASIA (PDF)

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Omnibus Ensemble gastiert in Berlin

omnibus_ensemble Omnibus Ensemble Taschkent/Usbekistan

Konzert und Gespräch

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Donaueschinger Musiktage lädt die Akademie der Künste das Omnibus Ensemble, eines der diesjährigen Sonderprojekte von „Donaueschingen global", nach Berlin ein. Das Ensemble aus Taschkent/Usbekistan präsentiert vier neue Kompositionen, die in Donaueschingen uraufgeführt werden. 

Die Werke von Onur Dülger (Türkei), Piyawat Louilarpprasert (Thailand), Hasan Hujairi (Bahrain) und Qin Yi (China) entstanden in einem kollektiven Arbeitsprozess zwischen den Komponisten und dem Ensemble. Von buddhistischen Ritualen über usbekische Klänge zu thailändischen Kompositionsmethoden verbinden sich in ihnen vielfältige Einflüsse. Die kollaborative Herangehensweise ist typisch für das von Artyom Kim geleitete Omnibus Ensemble, das „Neue-Musik-Labor Zentralasiens“, das europäische und usbekische Instrumente integriert und dessen Kerninteresse transkulturelle zeitgenössische Musik ist.

Die Besonderheit des Programms am 20. Oktober liegt in dem engen Dialog, der Durchlässigkeit für diverse kulturelle Einflüsse ermöglichte: Mit Verweisen auf Maqam-Traditionen aus verschiedenen Regionen Zentral- und Westasiens und Nordafrikas eröffnet das Werk von Hasan Hujairi einen transkulturellen Raum. Die Klangqualitäten buddhistischer Rituale wie das Singen, Sprechen von Mantras verbindet Piyawat Louilarpprasert mit Elementen der thailändischen und usbekischen Musik zu einer „Omni“-Vielfalt. Qin Yi erkundet in ihrer Komposition die kulturelle Konvergenz und die symbiotische Beziehung zwischen verschiedenen Kulturen. Onur Dülger schließlich verbindet im Dialog mit den Musikerinnen Klangmaterial des gemeinsamen türkischen Erbes, fremde Einflüsse wie den Islam und experimentelle Klanglandschaften miteinander.

Vor dem Konzert diskutieren Björn Gottstein (Festivalleiter Donaueschinger Musiktage), Daniel Ott (Mitglied der Sektion Musik der Akademie der Künste und Komponist), Artyom Kim (Leiter Omnibus Ensemble) und Piyawat Louilarpprasert (Komponist) die Besonderheit kollektiver kompositorischer Praktiken in transkulturellen Zusammenhängen.

Mit dem Gastkonzert aus Donaueschingen schreibt die Akademie der Künste ihren aktuellen Fokus auf dialogische und diverse Musikprojekte fort, der im Symposium „Curating Diversity / How does Freedom Sound Like“ und dem Festival „Memories in Music“ aufgeworfen wurde, um globalere Perspektiven in der zeitgenössischen Musik zu eröffnen.

PROGRAMM
19 Uhr: Gespräch
Björn Gottstein (Festivalleiter Donaueschinger Musiktage), Daniel Ott (Sektionsmitglied und Komponist), Artyom Kim (Leiter Omnibus Ensemble), Piyawat Louilarpprasert (Komponist)
Moderation: Julia Gerlach (Sekretär der Sektion Musik)

20 Uhr: Konzert
Hasan Hujairi: Retreat Strategies, für Ensemble (2021, 15 Min.)
Piyawat Louilarpprasert: Ohm-Na-Mo, für Ensemble (2021, 18 Min.)
Qin Yi: Silk, für Ensemble (2021, 12 Min.)
Onur Dülger: Baiterek-Kut, für Ensemble (2021, 10 Min.)

„Donaueschingen global“ ist ein Projekt der Donaueschinger Musiktage, finanziert von der Kulturstiftung des Bundes und dem SWR. Kooperationspartner sind die Akademie der Künste, Schloss Solitude, Ultima Festival Oslo und das Goethe-Institut.

Termin: 20. Oktober, ab 19 Uhr
Ort: Hanseatenweg 10 in 10557 Berlin.
Verkehrsverbindungen: S-Bahnhof Bellevue; U-Bahnhof Hansaplatz; Bus 106.
Karten auch an der Abendkasse erhältlich. (PM/Foto: Omnibus Ensemble)

Empfohlene LINKS:
Projekt Donaueschingen Global
Kulturstiftung des Bundes - 100 Jahre Donaueschinger Musiktage
SWR Classic - Omnibus Ensemble

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Usbekistan: gestern und heute

uz-2 Usbekistan: gestern und heute

AUSSTELLUNG: Russische Staatsbibliothek, Zentrum für orientalische Literatur, Ausstellungshalle

Das Zentrum für orientalische Literatur und das Institut für türkische Philologie der ISAA MSU laden zu einer Ausstellung ein, die der Vergangenheit und Gegenwart der usbekischen Kultur gewidmet ist. In den letzten 100 Jahren hat sich das Gesicht Usbekistans dramatisch verändert. Trotz der Veränderungen zieht dieses Land mit seiner einzigartigen Kultur und seiner fabelhaften Atmosphäre Menschen aus der ganzen Welt an.


Die Ausstellung im Zentrum für orientalische Literatur lädt ein, in die Welt des vorrevolutionären, sowjetischen und unabhängigen Usbekistans einzutauchen - jede Etappe der Geschichte hat die Kunst und das Bewusstsein der Bewohner des riesigen Landes unauslöschlich geprägt. Wie sah die Welt unter dem Schleier aus? Wie hat sich das usbekische Alphabet verändert? Welche Werte und Helden gab es im letzten Jahrhundert in Usbekistan? Und welche Spuren haben usbekische Wissenschaftler in der Weltwissenschaft hinterlassen? Die Ausstellung bietet an, Usbekistan aus verschiedenen Epochen zu betrachten.

Sharafittdinov O., Abdullaeva K. Alifbe (Primer). Taschkent, 1981. Foto: Maria Govtvan, RSL

Die Ausstellung USBEKISTAN: gestern und heute umfasst mehrere Ausstellungen gleichzeitig.
Der Buchteil widmet sich der Geschichte der usbekischen Literatur und Sprache, herausragenden Persönlichkeiten der Geschichte Usbekistans. Die ersten gedruckten Bücher in altusbekischer Sprache, die Erstausgaben der Sowjetzeit schwingen mit modernen Ausgaben und zeigen deutlich die Geschichte der usbekischen Presse vom späten 19. bis zum frühen 21. Jahrhundert sowie die kulturelle und ethnische Vielfalt Usbekistans.
Das zentrale Exponat der Buchausstellung sind "Längen- und Breitentafeln von Fixsternen" von Ulugbek, einem mittelalterlichen Wissenschaftler und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Das 1665 in Oxford erschienene Buch wurde in diesem Jahr in das Register of Book Monuments aufgenommen und  ist in digitaler Form erhältlich.

Ausstellung usbekische Literatur. Foto: Maria Govtvan, RSL

Ausstellungskurator, leitender Bibliothekar des Zentrums für orientalische Literatur der RSL Daniil Ognev. Foto: Maria Govtvan, RSL

Weltliteratur: Jami, Abdurrahman (1414-1492). Haft Aurang (Sieben Kronen). Taschkent, 1915. Foto: Maria Govtvan, RSL

Weltliteratur: Hafiz Shirazi (C. 1325 - C. 1390). Sofa. Taschkent, 1894. Foto: Maria Govtvan, RSL

Weltliteratur: Saadi Shirazi (ca. 1210 - 1292). Golestan. Taschkent, 1910. Foto: Maria Govtvan, RSL

Weltliteratur: Tausendundeine Nacht. Taschkent, 1913-1914. Foto: Maria Govtvan, RSL

Weltliteratur: Ulugbek (1394-1449). Tabellen der Längen- und Breitengrade von Fixsternen. Oxford, 1665. Ref. Foto: Maria Govtvan, RSL

Eine mehrbändige Publikation aus dem Fond von der Musikabteilung der RSL „usbekische Volksmusik“ erzählt über die musikalische Tradition von Usbekistan.

Usbekische Volksmusik (in 9 Bänden). Taschkent, 1955-1962. Foto: Maria Govtvan, RSL

Eine eigene Ausstellungshalle ist dem wissenschaftlichen Erbe Usbekistans gewidmet und wird von der Dissertationsabteilung der RSL vorbereitet: Besucher können die Dissertationen usbekischer Wissenschaftler durchsehen und ihren Beitrag zum Sowjet- und Weltwissen bewerten.

Ausstellungshalle wissenschaftliches Erbe Usbekistans. Foto: Irina Sakirko, RGB

Das dominierende Merkmal der Ausstellung sind zweifellos die Burkas des frühen 20. Jahrhunderts, die erstmals in Russland und Moskau ausgestellt werden. Sie wurden freundlicherweise von Tanem Valerievna Loseva-Bakhtiyarova - Kandidatin für Philologie, außerordentlicher Professor am Institut für türkische Philologie, ISAA, Moskauer Staatliche Universität, zur Verfügung gestellt.

Burkas und Chachvans aus der Sammlung von Tanem Loseva-Bakhtiyarova. Foto: Maria Govtvan, RSL 

Mugatok Kleid und Schal (Zigeuner der Region Buchara) aus der Kollektion von Tanem Loseva-Bakhtiyarova. Foto: Maria Govtvan, RSL

Traditionelle usbekische Kleidung. Foto: Maria Govtvan, RSL

Auch Vertreter der usbekischen Diaspora in Russland beteiligten sich aktiv an der Vorbereitung der Ausstellung: Wertvolle Exponate, die die usbekische Lebensart widerspiegeln, stellte der Frauenclub Dugonalar unter der Leitung von Rano Khamraeva zur Verfügung.

Kopfbedeckung usbekischer Frauen. Foto: Maria Govtvan, RSL

Leiterin des Frauenklubs "Dugonalar" Rano Khamraeva. Foto: Maria Govtvan, RSL

Einen besonderen Platz in der Ausstellung nehmen die Werke von Künstlern aus Usbekistan und Russland ein. Die Maler usbekischer Herkunft Onakhon Khaliyarova und Aziza Arashova sowie die russische Künstlerin Irina Dolgikh, Autorin des einzigartigen Projekts „60 Faces of Bukhara“, stellten ihre Gemälde zur Verfügung.

Irina Dolgikh. Porträt von Rano Khamraeva aus der Serie „60 Gesichter von Buchara“ in der Ausstellung „Usbekistan: gestern und heute“. Foto: Maria Govtvan, RSL

Beshik ist eine traditionelle usbekische Wiege (Modell). Foto: Maria Govtvan, RSL

Darüber hinaus können die Besucher die traditionelle und moderne Keramik Usbekistans kennenlernen, die nicht derjenigen ähnelt, die Touristen gewohnt sind, wenn sie nach Samarkand, Buchara und anderen Städten kommen.

Alisher Narzullaev. Tee Set. Buchara, Ende der 1990er Jahre. Foto: Maria Govtvan, RSL

Zum ersten Mal werden in Moskau auch Fotografien des modernen Bucharas von Shavkat Boltaev, dem vielleicht einflussreichsten Fotografen Usbekistans, ausgestellt. Jeder von Sh. Boltaev eingefangene Moment verbirgt das ganze Leben einer multinationalen Stadt – das Herz Asiens.

Kuratoren der Ausstellung sind Daniil Ognev, der führende Bibliothekar des Zentrums für orientalische Literatur der RSL, und die Leiterin des Frauenclubs Dugonalar, Rano Khamraeva.

Im Rahmen der Ausstellung finden mehrere Veranstaltungen statt.
Die Organisatoren der Ausstellung werden ausführlich über die Geschichte der wertvollsten Exponate der Ausstellung erzählen und die Gäste können die Atmosphäre der usbekischen Stadt spüren.

15. Oktober 18:30 - Vortrag "Die Geheimnisse der Burka oder die Entwicklung traditioneller Frauenkleidung in Usbekistan im XX-XXI Jahrhundert"
22. Oktober 18:30 - Vortrag "Mugaty / lyuli / dzhugi: Ergebnisse der Feldforschung der Zigeuner der Region Buchara"

Quelle: Russische Staatsbibliothek, Zentrum für orientalische Literatur
Foto: Maria Govtvan, RSL, Daniil Ognev, RGB

Das Zentrum für Orientalische Literatur (CVL) ist spezialisiert auf die Arbeit mit Publikationen in den Sprachen der Länder Asiens und Afrikas; Neben den traditionellen Bibliotheksaktivitäten führt sie kulturelle und pädagogische Veranstaltungen durch, die darauf abzielen, die Kultur der Länder des Ostens bekannt zu machen.

Adresse: Moskau, st. Mokhovaya, 6, 8
Anfahrt: zu den U-Bahn-Stationen "Bibliothek nach W. I. Lenin", "Borovitskaya", "Alexandrovsky Garden"

Abteilungsleiterin: Melanina Marina Vladimirovna
Kontakt: +7 (495) 695-91-87, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: +7 (495) 695-88-12 (Bereich Bibliothek und bibliografische Dienste)
+7 (499) 557-04-70, Durchwahl. 23-19, 22-89 (Konferenzsaal)
+7 (495) 697-18-59 (Servicegruppe)

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Gigantischer Dinosaurier mit Haifischzähnen in Usbekistan entdeckt

illustration_dinosauriers_ulughbegsaurus_uzbekistanensis Illustration Dinosaurier Ulughbegsaurus Uzbekistanensis

Vor etwa 90 Millionen Jahren durchstreifte ein gigantischer Spitzenräuber – ein fleischfressender Dinosaurier mit gezackten Haifischzähnen – das heutige Usbekistan, laut einer neuen Studie über den Kieferknochen des Ungetüms. 

Das 8 Meter lange Tier wog 2.200 Pfund (1.000 Kilogramm) und war damit länger als ein afrikanischer Elefant und schwerer als ein Bison. Die Forscher nannten es Ulughbegsaurus uzbekistanensis, nach Ulugh Beg, einem Astronomen, Mathematiker und Sultan aus dem 15. Jahrhundert aus dem heutigen Usbekistan. 

Was die Wissenschaftler überraschte, war, dass der Dinosaurier viel größer war – doppelt so lang und mehr als fünfmal schwerer – als der zuvor bekannte Spitzenprädator seines Ökosystems: ein Tyrannosaurier.

Der Kieferknochen wurde in den 1980er Jahren in der usbekischen Wüste Kyzylkum gefunden und Forscher haben ihn 2019 in einer usbekischen Museumssammlung wiederentdeckt.  Der partielle Kieferknochen von U. uzbekistanensis reicht aus, um darauf hinzuweisen, dass das Tier ein Carcharodontosaurier oder ein "Haifischzahn"- Dinosaurier war. Diese Fleischfresser waren Cousins und Konkurrenten der Tyrannosaurier, deren bekannteste Art der Tyrannosaurus rex ist.
Die beiden Dinosauriergruppen waren ziemlich ähnlich, aber Carcharodontosaurier waren im Allgemeinen schlanker und leichter gebaut als die schwergewichtigen Tyrannosaurier, sagte die Mitforscherin der Studie, Darla Zelenitsky, außerordentliche Professorin für Paläobiologie an der University of Calgary. Trotzdem waren Carcharodontosaurier normalerweise größer als Tyrannosaurier-Dinosaurier und erreichten ein Gewicht von mehr als 13.200 Pfund (6.000 kg). Dann, vor etwa 90 Millionen bis 80 Millionen Jahren, verschwanden die Carcharodontosaurier und die Tyrannosaurier wuchsen an Größe und übernahmen als Spitzenprädatoren in Asien und Nordamerika.

Zwei Dinosaurier-Spitzenprädatoren der späten Kreidezeit: ein Carcharodontosaurier (links) und ein Tyrannosaurier (rechts). (Bildnachweis: Darla Zelenitsky

Die neue Entdeckung ist der erste Carcharodontosaurier-Dinosaurier, der in Zentralasien entdeckt wurde, stellten die Forscher fest. Paläontologen wussten bereits, dass der Tyrannosaurier Timurlengia zur gleichen Zeit und am gleichen Ort lebte, aber mit einer Länge von 13 Fuß (4 m) und einem Gewicht von etwa 375 Pfund (170 kg) war Timurlengia um ein Vielfaches kleiner als U. uzbekistanensis , was darauf hindeutet, dass U. uzbekistanensis war der Spitzenräuber in diesem Ökosystem und verschlang gehörnte Dinosaurier, langhalsige Sauropoden und straußenähnliche Dinosaurier in der Nachbarschaft, sagte das Team.
„Unsere Entdeckung zeigt, dass Carcharodontosaurier vor 90 Millionen Jahren noch vorherrschende Raubtiere in Asien waren“, sagte Kohei Tanaka, Assistenzprofessor an der Graduate School of Life and Environmental Sciences der University of Tsukuba in Japan, gegenüber Live Science in einer E-Mail.

Eine Illustration des riesigen Carcharodontosauriers Ulughbegsaurus mit dem kleineren Tyrannosaurier Timurlengia. (Bildnachweis: Julius Csotonyi)

Peter Makovicky, ein Professor für Paläontologie an der University of Minnesota, der nicht an der Studie beteiligt war, stimmte zu, dass U. uzbekistanensis wahrscheinlich an der Spitze der lokalen Nahrungskette steht. „Ich denke, dieser Knochen ist so groß, dass dies ein sehr großer Raubdinosaurier und sehr wahrscheinlich der Spitzenräuber in seinem Ökosystem gewesen wäre“, sagte Makovicky gegenüber Live Science.

Dieses Stück Kieferknochen ist alles, was Paläontologen über den alten Dinosaurier Ulughbegsaurus haben. (Bildnachweis: Tanaka et al. 2021)

Diese Karte zeigt, wo das Fossil des Ulughbegsaurus in Usbekistan gefunden wurde. (Bildnachweis: Tanaka et al. 2021)

Eine Rekonstruktion des Oberkiefers und der Zähne von Ulughbegsaurus. (Bildnachweis: Dinosaur Valley Studios)

Studienforscher Kohei Tanaka (links) und Darla Zelenitsky (rechts). (Bildnachweis: University of Calgary)

Der Fund aus U. uzbekistanensis ist das letzte bekannte Vorkommen eines Carcharodontosauriers und eines
Tyrannosauriers, die vor dem Aussterben der Carcharodontosaurier zusammenlebten, sagte das Team. Das
Team stellte fest, dass U. uzbekistanensis einzigartige knöcherne Beulen über den Zähnen aufweist.
Allerdings hat es auch Knochenkanten an den Seiten seines Kiefers, die auf die 79.500.000 Jahre alt waren ähnlich
tyrannosaur Thanatotheristes degrootorum (dessen Name bedeutet „ Schnitter Tod“) aus dem heutigen Kanada. Es ist unklar, warum beide Arten diese Verwandtschaft haben, aber vielleicht ist es ein Fall von konvergenter Evolution, wenn Arten, die nicht eng miteinander verwandt sind evolve ähnliche Eigenschaften zu haben, sagte Zelenitsky.
Die Studie wurde in der Zeitschrift Royal Society Open Science veröffentlicht.

Quelle: LIVESCIENCE; Laura Geggel; Titelbild: Eine Illustration des "Haifischzahn"-Dinosauriers Ulughbegsaurus uzbekistanensis, der vor etwa 90 Millionen Jahren im heutigen Usbekistan lebte. (Bildnachweis: Julius Csotonyi)

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LIVESCIENCEROYAL SOCIETY OPEN SCIENCE
WIKIPEDIA: Ulugh Beg | Kysylkum
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Usbekistan: Astronomisches Wissen aus mehreren Jahrhunderten

Gemaelde_Wissenschaft_UlugBeg_GB Astronomie Ulugh Beg
Usbekistan hat damit begonnen, alle weltweit verstreuten Kunstgegenstände, die das kulturelle Erbe des Landes ausmachen, ausfindig zu machen, aufzulisten und auszustellen. Usbekistan, das einst im Zentrum der Großen Seidenstraße lag, verfügt über ein bedeutsames kulturelles Erbe.
An der kürzlich abgehaltenen Tagung der Initiative „Kulturelles Erbe Usbekistans in den Sammlungen der Welt" nahmen rund 350 Personen aus der Wissenschaftswelt teil, es handelte sich um die wichtigste Veranstaltung der usbekischen Woche des kulturellen Erbes.

Im Rahmen der Initiative wurde auch die erste originalgetreue Kopie des Manuskripts des Werks „Bilder der Fixsterne“ vorgestellt. Das Buch ist das Werk eines der bekanntesten muslimischen Astronomen, Abd al-Rahman al-Sufi, und wurde im Auftrag von Mirzo Ulugbek, besser bekannt als Ulugh Beg, einem Sultan der Timuriden-Dynastie, in Auftrag gegeben. Ulugh Beg war ein angesehener Astronom und Mathematiker.

Das alte Manuskript, das nun in ein Buch umgewandelt wurde, ist aus mehreren Gründen von historischer Bedeutung: Es zeigte die jahrhundertelange Beschäftigung mit den Sternen, ist Zeugnis eines goldenen Zeitalters der islamischen Wissenschaft und des Altertums der arabischen Astronomie.

Kunst und Wissenschaft treffen aufeinander
Das Buch wird als ein Meisterwerk der zentralasiatischen Kunst gepriesen: Es enthält 74 Abbildungen von Sternbildern, die in feinster Technik ausgeführt sind. Es zeigt ebenfalls die Entwicklung hin zu bilderreichen Manuskripten und ist eine der ältesten erhaltenen Abhandlungen dieser Art. Das Manuskript enthält Abbildungen, die den Sultan in Form des Sternbilds Kepheus darstellen.

Neben seinem künstlerischen Wert hat das Buch auch eine erhebliche wissenschaftliche Bedeutung. Das Werk, das 48 Sternbilder - die so genannten Fixsterne - enthält, fußt auf dem aus Griechenland überlieferten Wissen über die Sterne, bezieht aber zum ersten Mal die Grundsätze der antiken arabischen Astronomie mit ein.
Vor Abd al-Rahman al-Sufi wurden die ersten bekannten Versuche, den Sternenhimmel zu beschreiben, von den Griechen unternommen. Genauer gesagt von Ptolemäus (100-160), einem antiken Philosophen, Mathematiker und Astronomen aus Alexandria. Seine Schriften galten bis in die frühe Neuzeit als wissenschaftliches Standardwerk zur Himmelskunde. Sein wichtigstes Werk war „Almagest", ein Leitfaden für die mathematische Astronomie, der jahrhundertelang die wichtigste Bezugsquelle war, bis Abd al-Rahman al-Sufi auf den Plan trat.

Der Beitrag von Abd al-Rahman al-Sufi zur Astronomie

Al-Sufis Werk über die Fixsterne geht das Werk „Almagest" des Ptolemäus zurück. Allerdings nahm er Änderungen vor und ergänzte eigene empirische Schlussfolgerungen. Er nahm alle in Ptolemäus' Sternenkatalog erwähnten Sternnamen auf und fügte sie mit den in der arabischen Literatur erwähnten zusammen.

Seinen Beobachtungen fügte Al-Sufi die frühesten bekannten Beschreibungen und Abbildungen der Andromeda-Galaxie und auch die erste Erwähnung der Großen Magellanschen Wolke hinzu - die ersten Galaxien neben der Milchstraße, die von der Erde aus beobachtet werden konnten.

In dem Buch des Astronomen sind alle mythologischen Figuren, die für die Sternbilder stehen, so dargestellt, wie sie am Himmel, aber auch vom Weltraum aus gesehen werden. Damit nahm sein Werk viele Jahrhunderte lang sowohl in der islamischen als auch in der christlichen Welt einen wichtigen Platz ein.

Astronomie als Teil des kulturellen Erbes Usbekistans

Das ursprüngliche Manuskript des Buches „Bilder der Fixsterne" ist nicht erhalten, doch dank der islamischen Manuskripttradition lebte Al-Sufis Werk in späteren Kopien weiter.

Die zeitgenössische Kopie, die im Rahmen einer Ausstellung gezeigt wird, ist das Ergebnis des Bestrebens Usbekistans, fortschrittliche wissenschaftliche Technologien für die Erhaltung historischer Ausstellungsstücke und Manuskripte einzusetzen.

Im Rahmen dieser Bemühungen wurden weitere Bücher über usbekische Werke veröffentlicht. Darüber hinaus wird an der Digitalisierung und Veröffentlichung von Kopien herausragender Werke gearbeitet, die in Bibliotheken auf der ganzen Welt aufbewahrt werden.

Vertreter der UNESCO lobten Usbekistan für die Bemühung zur Bewahrung des reichhaltigen Erbes des Landes. Renato Ramírez, der stellvertretende UNESCO -Generaldirektor für Kultur, sagte, Usbekistan sei in dieser Angelegenheit „ein Vorbild für viele Länder. Forschung ist ein Weg, nicht nur akademisches Wissen zu vermitteln, sondern auch Wissen für unsere Kinder und neue Generationen.“

Quelle: EURONEWS; Emma Beswick;
Titelbild: Gemälde Ulugh Beg und seine Astronomen; Timuridenmuseum Taschkent/ G. Birkl

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Chance auf eine bessere Zukunft – Hilfe für Kinder aus Usbekistan geht weiter

ankunft_der_neuen_kinder_im_friedensdorf Ankunft der neuen Kinder im FRIEDENSDORF
Mit dem zweiten Hilfseinsatz für usbekische Kinder in diesem Jahr, sind am 13. September 2021 sechs neue Patientinnen und Patienten per Linienflug in Frankfurt am Main angekommen. Begleitet wurden sie von der usbekischen Partnerorganisation „Soglom avlod uchun“. Normalerweise nehmen die Kinder aus Usbekistan diese lange Reise gemeinsam mit afghanischen, tadschikischen und kirgisischen Kindern im Rahmen eines Charterfluges auf sich. Leider war dieser aufgrund der Corona-Pandemie und zuletzt auch wegen den Ereignissen in Afghanistan nicht möglich.

Unter den Neuankömmlingen sind sowohl Kinder, die hier eine wichtige Weiterbehandlung erhalten, als auch Kinder, die zum ersten Mal ins Friedensdorf gekommen sind. Eines haben sie jedoch alle sechs gemeinsam – sie alle haben starke Verbrennungen erlitten, die meist schon länger zurückliegen. Die schlecht verheilten Narben schränken nun ihre Bewegungen ein und beeinträchtigen ihre Lebensqualität. Beispielsweise hat Ozodbek als vierjähriger bei einem Autounfall schwere Verbrennungen im Gesicht davongetragen. Heute ist er acht Jahre alt und kann seitdem aufgrund der mangelnden Versorgung in seinem Heimatland sein linkes Auge nicht mehr schließen. In Deutschland erwartet ihn nun endlich die notwendige Behandlung. Der fünfjährige Sarafroz ist bereits zum zweiten Mal im Friedensdorf. Mit nur einem Jahr hat er sich im Schlaf schwere Verbrennungen zugezogen, als sein Haus durch eine umgefallene Paraffin-Lampe plötzlich in Flammen stand. Auch seine Narben sind damals so schlecht verheilt, dass er Augen und Mund nicht mehr richtig schließen konnte. Bei seiner ersten Behandlung in Deutschland konnte bereits die Funktion seines Mundes wiederhergestellt werden – jetzt folgt die Weiterbehandlung seiner Augen.

Am 16. September kehrten im Gegenzug sieben Kinder in ihre Heimat Usbekistan zurück, die ihre medizinische Behandlung bereits hinter sich haben. Zu den glücklichen Heimkehrern gehört auch der siebenjährige Sanjarbek. Auch er hat in seiner Heimat schwere Verbrennungen erlitten, weshalb unter anderem die Beweglichkeit seiner rechten Hand stark eingeschränkt war. Sanjarbek kam mit dem letzten Usbekistan-Hilfsflug im Mai 2021 nach Deutschland und darf nun Zuhause stolz erzählen, dass er als erster im neuen ambulanten Eingriffsraum im Friedensdorf operiert wurde. Ende Juli konnten der Chirurg Dr. Heinz Grunwald und sein Team mit der Operation die Narbenstränge erfolgreich lösen. Nach der Operation erhielt Sanjarbek regelmäßig Physiotherapie. Jetzt kehrte er gemeinsam mit den sechs anderen Kindern in seine Heimat zurück und kann seiner Familie endlich zeigen, dass er wieder alle Finger einzeln bewegen kann.

Dr. Heinz Grunwald und Sanjarbek: Dr. Heinz Grunwald ist mit dem Operationsergebnis sehr zufrieden: Sanjarbek kam im Mai 2021 nach Deutschland und konnte dank der Behandlung im ambulanten Eingriffsraum schon mit dem nächsten Hilfsflug am 16. September nach Usbekistan zurückkehren. 

Fotos: Friedensdorf International
Gruppenbild: Ankunft der neuen Kinder im Friedensdorf.

Kontakt:
FRIEDENSDORF INTERNATIONAL
Lanterstraße 21, 46539 Dinslaken 
Tel. 02064/ 4974-0, Fax 020644974-999
Mail Öffentlichkeitsarbeit: offen(at)friedensdorf.de
Web: www.Friedensdorf.de

Seit 1967 hilft FRIEDENSDORF INTERNATIONAL verletzten und kranken Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten. Kinder werden zur kurzfristigen medizinischen Behandlung nach Europa geholt und weltweite Projekte verbessern die medizinische und humanitäre Versorgung in den Heimatländern. Die friedenspädagogische Arbeit des FRIEDENSDORFES fördert zudem soziales Bewusstsein und Engagement. Finanziert wird diese Arbeit nahezu ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen - sie ist als mildtätig anerkannt und trägt das DZI-Spendensiegel.

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Hoher Besuch aus Usbekistan in München – 
30 Jahre Unabhängigkeit Usbekistan

UZ_Tischschmuck München feiert – 30 Jahre Unabhängigkeit Usbekistan
Am 5. September besuchte eine Delegation aus Usbekistan Freunde in Europa. Auf der Tour kam die Gruppe aus Taschkent, besuchte Veranstaltungen in Berlin, München, Wien, Riga und Rom. Begleitet wurden die Künstler von Israil Gulyamov, (Leiter des Kulturzentrums Usbekistan, Taschkent) Mitarbeiter der usbekischen Botschaft, Kulturattaché Sarvar Ochilov aus Berlin sowie  Konsul Ulugbeg Shukurov aus Frankfurt.

Unter den Künstlern waren der preisgekrönte Opernbariton Jenisbek Piyazov, Doniyorjon Yunusov, Mitglied des Orchester von Sulton Ali (Querflöte), der in Usbekistan berühmte Künstler und Virtuose Dilshod Yuldoshev (Doira - Trommel), Sherzod Irgashev (Tutor - Geige), Alisher Akbarov (Kulturministerium Usbekistan) sowie die beiden Tänzerinnen Ergasheva Mukaddam und Yusufjanova Malokat. 

Gäste aus Usbekistan - Künstlergruppe mit Gastgeber Kholikov, links

Gastgeber war Familie Kholikov in Forstinning bei München. Die Teilnehmer begrüßten die Gäste von der Seidenstrasse mit großer Begeisterung. Auf dieses Treffen hatte man lange gewartet. Bedingt durch die Corona-Entwicklung und geänderten Bestimmungen in Usbekistan und Deutschland war es bis zuletzt ungewiss, ob eine Reise nach Deutschland stattfinden würde. Zudem gab es durch den Bahn-Streik kurzfristig keine Verbindung von Berlin nach München. Umso mehr freuten sich alle Beteiligten, dass der Sponsor Alphamed (Artyom Khvostov, Michael Volovyk) kurzfristig einen Transport nach München organisierte.

Anlass der Veranstaltung war der alljährliche Gedenktag am 1. September, Gründung der Republik Usbekistan im Jahr 1991. In diesem Jahr wurde das 30 jährige Jubiläum der Republik Usbekistan gefeiert.

Die Tische waren nach der Tradition in Usbekistan festlich und reichlich mit allerlei Köstlichkeiten und Spezialitäten des Landes gefüllt. Es gab Shorba (traditionelle Suppe), SAMSA (gebackene Teigtaschen), PLOV am offenen Feuerkessel (Nationales Fleisch- und Reisgericht), Blätterteig mit Spinat; gegrilltes Hähnchenfleisch. Eine Vielzahl an leckeren Salaten und auch eine Spezialität nach Bayerischer Art, einen „Obazdn" (Käsecreme) mit Bayerischem Gebäck und Brez´l.

Undenkbar – auf keinen Fall – durfte zu diesem Anlass das usbekische Nationalgericht fehlen… Das Nationalgericht PLOV ist in Usbekistan eines der beliebtesten Köstlichkeiten. Es gibt mehr als 100 Variationen an PLOV, bzw. Pilaw und jedes Gericht schmeckt regional anders. Das Grundrezept besteht immer aus Reis, Möhren, Kichererbsen und Lamm- oder Rindfleisch. Alle Zutaten werden angebraten und sorgfälltig stundenlang langsam in Öl gekocht. Original wird die Hauptspeise am offenen Feuerkessel zubereitet, meist von Männern. 

Frauenstimmen sagen dazu eindeutig: „Unsere Männer sind die besseren Köche“. Wenn das unvergleichlich duftende Aroma auch die letzten Nachbarn weckt… dann ist das Hauptgericht fertig - eine echte usbekische Gaumenfreude und Delikatesse.

Auch mit Desserts wurden die Gäste kulinarisch verwöhnt. Es gab u.a. leckeren Kuchen, dekoriert in den Landesfarben grün, weiß, blau und roten Streifen. Es gab Obstsalat nach Art des Emirs, köstliche Trauben, Melonen und TschakTschak (gebackener Teig mit Honig und Walnüssen) auf festlich gedeckten Tischen. Alles nach usbekischer Gastfreundschaft und Lebensart.

Traditionell zeichnet sich usbekische Gastlichkeit durch einen vielfältig gedeckten Tisch aus. Eine leckere Auswahl an Köstlichkeiten und Spezialitäten. Dazu gehört immer ein Brot (NON), dass man mit Gästen teilt. Zur Vollendung der Zeremonie gibt es den berühmten Tee mit süßer Zitrone in einer Teeschale – der weiß/blauen Porzellantasse Piala. Diese gehört ebenso wie frische Früchte unverkennbar auf jeden Tisch.

In der Ansprache durch Kulturattaché Sarvar Ochilov (Usbekische Botschaft Berlin) sowie Konsul Ulugbeg Shukurov aus Frankfurt wurden die engen freundschaftlichen Verbindungen zwischen Usbekistan und Deutschland, insbesondere zu Bayern betont. In kurzer Darstellung wurden die Errungenschaften, gesellschaftlichen Änderungen der letzten drei Jahrzehnte rückblickend vorgestellt. Insbesondere die Veränderungen, Verbesserungen für die Wirtschaft und Bevölkerung, Entwicklungen in den letzten fünf Jahren, seit dem zweiten, amtierenden Präsidenten des Landes, Shavkat Mirziyoyev.

Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt usbekischer Künstler mit traditioneller Musik und modernen musikalischen Kompositionen. Ohne Übertreibung kann gesagt werden, es war ein musikalischer Hochgenuß für Ohren und ein bezaubernder Augenschmaus. Zu orientalischen Klängen verzauberten zwei Tänzerinnen das Publikum mit großer Hingabe durch Choreographien aus Koresmen. In prächtigen bunten Kostümen geschmückt präsentierten die Tänzerinnen Ergasheva Mukaddam und Yusufjanova Malokat die hohe Kunst usbekischer Tanzkultur. Beide Tänzerinnen sind Mitglieder des berühmten Ensembles Navbahor.

Das Gesangs- und Tanzensemble "Navbahor" ist ein relativ junges Gesangs- und Tanzensemble unter den Ensembles des Kreativverbandes. Das Ensemble wurde 2014 gegründet. Heute sind 28 Künstler im Ensemble, darunter 11 Musiker, 4 Sänger und 11 Balletttänzer. Das Team wird von der verdienten Künstlerin Usbekistans Gulmira Madraximova geleitet. Eines der Hauptziele des Ensembles ist es, usbekischen Nationalgesang und -tanz zu studieren und die künstlerischen Werke in hoher Qualität dem Publikum zu präsentieren. Das Team des Ensembles nimmt aktiv nicht nur an den kulturellen Veranstaltungen der Republik Usbekistan, sondern auch an internationalen Veranstaltungen im Ausland teil.

Beim Gesang des berühmten Baritons Jenisbek Piyazov kamen die Gäste aus dem Staunen und Bewunderung nicht mehr heraus. Bekannte Melodien aus Oper und Interpretationen u.a. die berühmte Melodien (1) Besame Mucho, „Kalinka“, „Königin der Schönheit“ sorgten bei den Gästen für Staunen, ein Glücksgefühl mit Gänsehaut. Vor Begeisterung hielten die Teilnehmer den Atem an und lauschten ehrfurchtsvoll der beeindruckenden Stimme des sympathischen Künstlers. Als Belohnung und Anerkennung für die künstlerische Darbietung gab es jedesmal einen tosenden Beifall vom Publikum. 

Seit seinem Debüt 2004 hat Jenisbek zahlreiche internationale Preise gewonnen. Beim Internationalen Magomaev-Gesangswettbewerb 2012 in Moskau erhielt er den Hauptpreis. 2010 wurde ihm vom Präsidenten von Aserbaidschan der Shohrat-Orden verliehen. Vor kurzem wurde er durch das usbekische Staatsoberhaupt Präsident Shavkat Mirziyoyev ebenfalls mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Mit seiner unverwechselbaren samtigen Stimme kommt das Publikum aus dem schwärmen nicht mehr heraus. Man könnte unendlich den bezaubernden Melodien zuhören. Jenisbek tourte international in Frankreich, Spanien, Malaysia, Portugal und trat bei den renommierten Opernfestspielen in München auf. Im Jahr 2018 sang er das Lied "My Way" von Frank Sinatra beim Konzert "Open Spring"im luxuriösen Palast, im Internationalen Forum "Uzbekistan", in Taschkent. 2019 stand er als erster Usbeke auf der Bühne des weltberühmten Theaters La Scala in Mailand, Italien. 2020 erhielt er die Auszeichnung „Für Verdienste um die Entwicklung von Presse und Information". Heute ist Jenisbek Solist am Staatlichen Konservatorium Usbekistans.

Zu Ehren und als Anerkennung für das Engagement in der usbekischen Gemeinde widmete Jenisbek Piyazov das bekannte Lied „Es gibt nur einen Moment zwischen Vergangenheit und der Zukunft" …(2) russisch - Есть только миг между прошлым и будущим) und „Gespräch mit Glück" (3) Разговор со счастьем) für Nina Birkenstock.

Speziell für usbekische Veranstaltungen schneiderte Nina ein Kostüm aus usbekischer Seide, aus Khanatlas. Nach eigenem Entwurf und Kombination nach einem traditionellem Schnitt, mit einem Bayerischen Dirndl. Inspiriert von der Kultur in Zentralasien und Bayerischem Lebensgefühl spiegelt das Design die multikulturelle Verbundenheit und freundschaftliche Verbindung beider Länder wieder. Nicht nur optisch sondern auch durch die Handarbeit ein echter Hingucker, eine handwerklich gelungene Symbiose beider Kulturen.

Auch in schwierigen Zeiten der Pandemie ist Kunst und Kultur ein wichtiger Schlüssel für gegenseitiges Verständnis und zur Vertiefung freundschaftlicher Beziehungen. Die warme Sonne Usbekistans und die Fröhlichkeit der Künstler aus der fernen Seidenstrasse verzauberten die Gäste so sehr, dass alle Alltagssorgen und Nöte für einen Augenblick vergessen wurden. Für ein paar Stunden konnten die Teilnehmer mit Musik und Tanz ein Stück usbekischer Kultur, Heimat erleben. Auch die Künstler hatten ihre sichtbare Freude an dem Treffen mit Freunden in Deutschland.

Es herrschte eine warme und herzliche Atmosphäre, eine Stärkung für Geist und Seele, Herzensfreude über den ehrenvollen Besuch aus dem fernen Orient, vom Zentrum der Seidenstrasse, aus Usbekistan.

Mit Frohsinn, Heiterkeit und Freude feierte man zusammen mit den ehrenwerten Gästen bis zum späten Abend, bis es hieß Abschied zu nehmen – die Künstler reisten anschliessend nach Wien weiter.

Am Ende der Veranstaltung waren sich alle Teilnehmer einig, es war ein gelungenes Fest an das sich alle Beteiligten noch lange erinnern werden. Als Zeichen der Gastfreundschaft und Dankbarkeit für die tolle Präsentation erhielten die Künstler Gastgeschenke. RAHMAT an Mitarbeiter der Botschaft, das Konsulat in Frankfurt, an die Künstler aus Usbekistan und ein großes Dankeschön an die Organisatoren Familie Kholikov, sowie für die Unterstützung und Sponsoring durch Alphamed, TEZPARCEL und Vorstand des usbekischen Fussballclubs in München, Doniyor Tadjibaev.

Beitrag G. Birkl; Fotos: Usbekische Gemeinde München; G. Birkl

Empfohlene LINKS:

"Navbahor" Gesangs- und Tanzensemble Uzbekistan
https://filarmonia.uz/51-navbahor-song-and-dance-ensemble.html
https://filarmonia.uz/746-ansambl-pesni-i-tanca-navbahor.html

Jenisbek Piyazov - Pure Nature Music
https://www.pnmartists.com/jenisbek-piyazov

Jenisbek Piyazov - Instagram
https://www.instagram.com/jenisbek.piyazov/?hl=de

Jenisbeck Piyazov - YOUTUBE
https://www.youtube.com/channel/UCYaaPEmDRfXNozuaryKXfpg

Jenisbek Piyazov - KONZERT 2019 (DRUJBA NARODOV - VOLKSFREUNDSCHAFT)
https://www.youtube.com/watch?v=UbunWRa5Oi8

Jenisbek Piyazov - KONZERT 2018 (VOLKSFREUNDSCHAFT)
https://www.youtube.com/watch?v=wbPxvo2-pYo

1) Jenisbek Piyazov - Besame Mucho (Konzert 2018)
https://www.youtube.com/watch?v=vNqVdJgTonE

2) Любэ. Есть только миг
https://m.youtube.com/watch?v=Z9yC2JBltGk

3) Jenisbek Piyazov - Женисбек Пиязов - Разговор Со Счастьем (Иван Васильевич Меняет Професию)
https://m.youtube.com/watch?v=NoMz6dFM8tM

Jenisbek Piyazov - Men senimen kezdestim
https://www.youtube.com/watch?v=haXPNr3PZDA

Dilshod Yo'ldoshev. Yorqin Navolar
https://www.youtube.com/watch?v=znqfW9Ukn70

Dilshod Yuldashev - Fergana
https://www.youtube.com/watch?v=ShMHinVHCSQ

Yunusov Doniyor
https://www.youtube.com/watch?v=oSIZXsUw02g

Hasanhon Sultonov & Dilsgod Yuldoshev & Doniyor nay Yusupov world kompasithion
https://www.youtube.com/watch?v=-y8M0uDpW6w

Doniyor Nay Ulmas Qorining Yaxshi kunida xizmatda!
https://www.youtube.com/watch?v=WrjZ55_6Ez8

AppleMusic - iTunes
https://music.apple.com/kz/artist/jenisbek-piyazov/1513920601

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Usbekistan feiert 30 Jahre Unabhängigkeit der Republik Usbekistan

30_jahre_unabhaengigkeit Platz der Unabhängigkeit - Taschkent
Der Staat Usbekistan wurde am 31. August 1991 nach dem Zusammenbruch der russischen Staatengemeinschaft durch Islom Karimov ausgerufen. Seit dem 1. September 1991 wird alljährlich an die Unabhängigkeit Usbekistans erinnert und die Staatsgründung als Nationalfeiertag festlich gefeiert.

Die Verfassung der Republik Usbekistan wurde am 8. Dezember 1992 beschlossen, basierend auf allgemein anerkannter Menschenrechtsdogmatik und Ähnlichkeiten zum deutschen Grundgesetz.

Der erste Präsident des Landes Islom Karimov gilt als der Architekt des neuen Usbekistan, regierte bis zu seinem Tod im Jahr 2016 das Land. Es ist sein Verdienst, dass das Land nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein souveräner Staat wurde und in der Weltgemeinschaft anerkennend aufgenommen wurde.

Nachfolger und regierender Staatspräsident ist Shavkat Mirziyoyev, dem es durch umfassende Reformen gelungen ist das Land zu öffnen, die Wirtschaft zu modernisieren und für das usbekischen Volk weitere Schritte einer demokratischen Entwicklung brachte. Zurecht gilt das amtierende Staatsoberhaupt als der Baumeister eines gefestigten Usbekistan mit internationaler Wertschätzung und Anerkennung.

Wegweisend für die weitere Entwicklung des Landes und der Region in Zentralasien war die Ansprache des Präsidenten auf der 72. Tagung der UN-Generalversammlung.

Die diplomatischen Bemühungen Usbekistans zeugen von den friedlichen Bemühungen für ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis - insbesondere auch mit Afghanistan. Anerkennend für die Weitsicht des Präsidenten hat sich die Außenpolitik des Landes als ein wichtiger Faktor für das friedliche Zusammenleben mit den ungleichen Nachbarn in der Region Zentralasien erwiesen.

30 Jahre Frieden und Wohlstand
Die Junge Republik Usbekistan kann seit der Gründung 1991 auf eine friedliche und stetige soziale- und wirtschaftliche Entwicklung zurückblicken. Zielstrebig wurden insbesondere durch den amtierenden Präsidenten Shavkat Mirziyoyev Reformen vorangetrieben, die die Öffnung des Landes für Wirtschaft und Tourismus attraktiv machten. Insbesondere durch Abschaffung der Visapflicht wurde einen wichtiger Beitrag zur Öffnung des Landes geleistet.

Usbekistan war uns ist traditionell in seiner langen Geschichte schon immer ein gastfreundschaftliches Land, seine Bewohner gegenüber „Fremden“ großherzig und zugleich aufgeschlossen und neugierig. Im Land gibt es eine große religiöse Toleranz, eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit an die Moderne. Die globale Rolle Usbekistans wird als „Drehscheibe“ zwischen Ost und West gesehen.

Durch die aktuellen Ereignisse im Nachbarland Afghanistan rückt Usbekistan erneut in den Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit. Gerade jetzt zeigt sich wie bedeutend die vermittelnden Werte kultureller Identität und gegenseitiger Wertschätzung, freundschaftlicher Beziehungen zu Nachbarländer sind, auch wenn diese andere kulturelle Auffassungen und Staatsformen gewählt haben. Die Verfassung Usbekistans ist ein Beleg für den souveränen, freiheitlich säkularen Staat mit Trennung zwischen Staat und religiösen Institutionen. ( Artikel 18; Alle Bürger der Republik Usbekistan haben gleiche Rechte und Freiheiten), Artikel 31; Die Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit wird allen zugesichert.

YOUTUBE - Usbekistan Impressionen: Landschaften, Architektur, Handwerk, Kunst und Kultur, Spezialitäten…

USBEKISTAN-ONLINE feiert - 30 Jahre Unabhängigkeit USBEKISTAN - 3.000 Artikel in der Mediathek
Anlässlich zum 30 jährigen Jubiläum wurde die USBEKISTAN-MEDIATHEK erweitert, umfasst 3.000 Artikel im Bereich zentralasiatischer Literatur, Musik, Kunst und Kultur. Neu ist insbesondere die Erweiterung von 640 KINDLE Ebooks. Durch die alternative Form des Lesens auf elektronischen Medien kann eine beliebige Anzahl an Bücher stets auf mobil am eigenen Tablett mitgenommen werden. Das Gewicht der Bücher spielt praktisch keine Rolle, ist lediglich Speicherplatzabhängig. Umfassendes Wissen und landestypische Informationen stehen somit jederzeit zur Verfügung. In der Mediathek finden wissensdurstige Leser:innen umfangreiche Informationen über Land, Kultur, … geschichtliche Hintergründe, Empfehlungen für Reiseliteratur und mehr.

Zum 30 jährigen Jubiläum Usbekistans bietet die USBEKISTAN-ONLINE Mediathek eine Vielzahl an Rubriken.

Es sind folgende Themenkreise aufgelistet:
• Gelehrte, Denker und Forscher, berühmte Persönlichkeiten (Zahir ad-Din Muhammad Babur, Ulug Beg, Al-Biruni, Al-Bukhari, Al-Farabi (Alpharabius), Al-Khwarizmi, Alisher Navoi, Naqshbandi, Al-Razi, Ibn Sina [Avicenna])
• Allg. Nachschlagewerke • Abenteuer und Reiseberichte • Aral Sea Area • Architektur
• Cuisine und Esskultur
• Fotografie
• Geschichte • Gesellschaft
• Kunst und Kultur
• Landkarten
• Märchen, Geschichten und Legenden
• Natur, Flora & Fauna
• Religion und Glaube • Reisen und Tourismus • Reiseführer • Roman
• Seidenstrasse • Sprachunterricht
• Turkestan
• UNESCO
• Wirtschaft • Wissenschaft
• Zeitgeschichte • Zentralasien
• KINDLE - Ebooks

sowie…
• Hörbücher
• CD/Audio/mp3; Klassik, Traditionell, Weltmusik
• DVDs/Blue-Ray
• Sonstige
• Favoriten

USBEKISTAN-GALERIE - gegründet 2013, aktuell 165 thematisierte Alben, mehr als 7.800 repräsentative Aufnahmen, > 448.000 Hits/Aufrufe!

Die USBEKISTAN-GALERIE bietet einen Einblick in die faszinierende Welt des Orients, Reiseimpressionen Usbekistans, Landschaft, Architektur, Land und Leute, Kultur präsentiert authentisch die USBEKISTAN-GALERIE. Die Aufnahmen spiegeln noch heute den spürbaren Zauber von 1001 Nacht, im Herzen der Seidenstrasse wieder.

Die Galerie ist thematisch geordnet, beinhaltet aktuell 165 Alben mit über 7.800 beindruckenden Fotos. Alle Aufnahmen zeigen einen realistisches Bild von Usbekistan, bieten einen Eindruck vom Land, dem UNESCO Weltkulturerbe Usbekistans, Sehenswürdigkeiten, Städte u.a. Buchara, Samarkand, Shakhrisabz, Taschkent, Kunsthandwerk… sowie nationale Köstlichkeiten.

Glückwünsche zum 30 jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit Usbekistans von USBEKISTAN-ONLINE.
Das Team des Online-Portals wünscht zum feierlichen Ereignis - Alles erdenklich Gute. Möge das Land Usbekistan und seine Bewohner weiterhin in Frieden leben und mit Wohlstand gesegnete sein. Dem usbekischen Volk wünschen wir Erfolg bei den weiteren Reformen für einen selbstbestimmten Weg in eine glorreiche Zukunft. Glück und Segen für das Staatsoberhaupt Präsident Shavkat Mirziyoyev bei der Führung des Landes in Rechtschaffenheit mit Besonnenheit und Weitblick für eine harmonische Entwicklung.

Für das kommende Jahr weiterhin Erfolg für begonnene Reformen und Entwicklungen, möge die Fröhlichkeit und Gastlichkeit des usbekischen Volkes, traditionelle Werte, usbekische Geselligkeit den Alltag bereichern und zahlreiche Gäste verzaubern.

USBEKISTAN-ONLINE wünscht der usbekischen Nation eine glückliche und friedliche Zukunft, Gesundheit und Wohlergehen. Wir freuen uns über einen regen Kulturaustausch, bedanken uns für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Alles Gute, einen glücklichen Festtag - 30 Jahre Unabhängigkeit Usbekistan.

Herzliche Glückwünsche von USBEKISTAN-ONLINE

Gerhard Birkl, Titelbild: Taschkent, Platz der Unabhängigkeit; Foto: G. Birkl

Empfohlene LINKS:
Stimme der Hauptstadt Berlin - Das NEUE USBEKISTAN ENTDECKEN
Zeitschrift Osteuropa - Wiedergeburt per Dekret - Nationsbildung in Zentralasien

USBEKISTAN-ONLINE - Beiträge
Die neue Außenpolitik Usbekistans: Offen, proaktiv und pragmatisch
Neue Wege… Entwicklung der Zivilgesellschaft in Usbekistan
Usbekistans Initiative für „Bildung und religiöse Toleranz" - Generalversammlung der Vereinten Nationen

WIKIPEDIA
Nationenbildung | Zentralasien | Usbekistan | Flagge Republik Usbekistan | Usbekische Nationalhymne
Geschichte Usbekistan

VERFASSUNG der Republik Usbekistan vom 8. Dezember 1992, abgeändert durch Gesetz von 24. April 2003
ZAOERV - Verfassung Republik Usbekistan
Publikationen Uni-Tübingen - Nationenbildung in den zentralasiatischen Staaten nach Ende der UdSSR
Die neue Afghanistanpolitik unter Präsident Mirsijojew
Presseportal - Vom autoritären Regime zur jungen Demokratie: seit fünf Jahren ticken die Uhren in Usbekistan anders
Die Transformation Usbekistans | SWP Stiftung Wissenschaft und Politik - Usbekistan

Landkartenindex - Usbekistan
Länder-Lexikon - Usbekistan Geschichte

BMZ - Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - USBEKISTAN - Im Herzen Zentralasiens
EURONEWS - Was die usbekische Küche über die Geschichte und Kultur des Landes verrät
DAAD Deutscher Akademischer Austauschdienst - Studieren und leben in Usbekistan

USBEKISTAN-ONLINE
Beiträge, Aktuelles
Tourismusentwicklung USBEKISTAN
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USBEKISTAN-GALERIE

YOUTUBE: Taschkent bei Nacht, Fotos: G. Birkl

YOUTUBE:  Nationalhymne von Usbekistan (Deutsche Übersetzung)

YOUTUBE: Uzbekistan 8K HDR 60p

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Usbekischer Diplomat vor Ort beim CTOUR Sommerfest

blumen_frank_pfuhl Blumen zum Sommerfest von CTOUR

Am 24. November 1990 gründete sich in Berlin-Lichtenberg im Hotel Abacus der „Club der Tourismus-Journalisten Berlin“ (CTOUR). Zum Vorsitzenden wählten die Mitglieder damals den Reisejournalisten Hans-Peter Gaul. Er ist heute Sprecher des Vorstands und man ernannte ihn kürzlich zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit. Am 21. August fand nach einem sommerlichen Ausflug mit Führung durch die „Gärten der Welt“ in Berlin-Marzahn mit einem stimmungsvollen Abendempfang im ABACUS Tierpark-Hotel das CTOUR-Jubiläums-Sommerfest statt.

Hans-Peter Gaul erinnerte an die vergangenen 30 Jahre und betonte: „Wir sehen unser Sommerfest mit über 100 Reisejournalisten und Gästen aus der in- und ausländischen Tourismusbranche auch als ein Zeichen des ReStarts des Tourismus in der Hauptstadt".

Neben zahlreichen Medienvertretern aus der Reisebranche traf man Diplomaten sowie Repräsentanten von Tourismusverbänden und Reiseveranstaltern an. Dazu zählten beispielsweise Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft; Beate Reuber, Parkbotschafterin von „Gärten der Welt“, Konrad Guldon vom Fremdenverkehrsamt Polen; Cedric Zhou, Europadirektor von Singapur-Tourismus; Dr. Bernhard Erbel, ehemaliger Deutscher Botschafter, u. a. von 2009 bis 2013 Deutscher Botschafter im Iran; Mirgiyos Azimov, 1. Sekretär an der usbekischen Botschaft in Deutschland und dort in der Wirtschafts- und Handelsabteilung tätig; Marketingchef Matthias Ulrich, von „Gartenträume“ Sachsen-Anhalt; Frank Westphal, Geschäftsführer der in Berlin-Köpenick ansässigen Reederei BWSG, der „Berliner Wassersport und Service GmbH & Co. Betriebs KG“.

Mirgiyos Azimov bedankte sich bei den CTOUR-Mitgliedern für „die enge und gute Zusammenarbeit. Es ist ja auch immer wieder erwähnenswert: der Tourismus baut Brücken und er verbindet Völker.“ Der Diplomat erklärte ferner: 

„Usbekistan ist ein wirklich sehr beeindruckendes Land mit einer großen Geschichte. Städte wie Buchara, Samarkand, die Hauptstadt Taschkent und Chiva stehen für lebendige Geschichte. Mehr als 7.000 historische Objekte von kulturellem Wert sind in Usbekistan, dem zentralasiatischen Land an der Seidenstraße, zu bewundern“.

Mirgiyos Azimov; 1. Sekretär an der usbekischen Botschaft in Deutschland, Wirtschafts- und Handelsabteilung

Ein Film über die touristischen Schönheiten Usbekistans zeigte man auch den Gästen.

Hans-Peter Gaul bedankte sich im Namen aller CTOUR-Mitglieder für den Besuch des usbekischen Diplomaten und dessen Ausführungen.

(Text: Volker Neef/Fotos: Frank Pfuhl)

v.L. Hans-Peter Gaul; Vorsitzender CTOUR und Mirgiyos Azimov; 1. Sekretär an der usbekischen Botschaft in Deutschland: Foto: Frank Pfuhl

Festsaal; Ehrengäste des Sommerfests von CTOUR (Club der Tourismus-Journalisten Berlin); Foto: Frank Pfuhl

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Bundestagswahl 2021 – Deutsche im Ausland

2021_Bundestagswahl Bundestagswahl 2021 - Briefwahl
Bundestagswahl am 26. September 2021

Deutsche, die außerhalb der Bundesrepublik Deutschland leben und im Bundesgebiet keine Wohnung mehr innehaben, können grundsätzlich an der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag am 26. September 2021 teilnehmen.


Voraussetzung ist, dass sie entweder nach Vollendung des 14. Lebensjahres mindestens drei Monate ununterbrochen in Deutschland gelebt haben und dieser Aufenthalt nicht länger als 25 Jahre zurückliegt, oder dass sie aus anderen Gründen persönlich und unmittelbar Vertrautheit mit den politischen Verhältnissen in Deutschland erworben haben und von ihnen betroffen sind.

Wählen kann nur, wer in ein Wählerverzeichnis eingetragen ist. Deutsche, die im Ausland leben und nicht in Deutschland gemeldet sind, werden nicht automatisch in ein Wählerverzeichnis eingetragen.
Zur Teilnahme an Bundestagswahlen müssen daher alle im Ausland lebenden wahlberechtigten Deutschen vor jeder Wahl zunächst bei der zuständigen Gemeinde in Deutschland einen förmlichen Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis stellen.

Der Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis muss spätestens am 5. September 2021 bei der zuständigen Gemeinde in Deutschland eingehen. Die Frist kann nicht verlängert werden.
Das Antragsformular, ein Merkblatt mit Ausfüllhinweisen und Details zur Wahlberechtigung finden Sie auf der Webseite des Bundeswahlleiters.

Deutsche, die sich vorübergehend – zum Beispiel während eines längeren Urlaubs – im Ausland aufhalten und nach wie vor in Deutschland gemeldet sind, werden von Amts wegen in das Wählerverzeichnis ihrer Gemeinde eingetragen. Sie können ihr Wahlrecht durch Briefwahl ausüben.

Nach der Registrierung kann die Teilnahme an der Wahl per Briefwahl erfolgen. Die Briefwahlunterlagen müssen an die zuständige Gemeinde, die in den Briefwahlunterlagen angegeben ist, übersandt werden. Es gibt keine Wahllokale in den deutschen Auslandsvertretungen.

Quelle: Deutsche Botschaft Taschkent

Empfohlene LINKS:
Bundesregierung  - Deutsche im Ausland | Bundestagswahl: WahlwissenDie Fünf Grundsätze des Wahlrechts
Deutscher Bundestag - Stimmabgabe per Brief – eine bewährte Alternative
Der Bundeswahlleiter - Bundestagswahl 2021 | Briefwahl | Briefwahl und Wahlgeheimnis (PDF) 
Bundestagswahl 2021: Am 5. September endet Antragsfrist für Deutsche im Ausland | FORMULAR

 YOUTUBE: Erklärvideo Bundestagswahl 2021 - Briefwahl - Briefwahlunterlagen

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COPERNICUS - Stipendien

copernicus-stipendium Copernicus Stipendium - Uni Hamburg

COPERNICUS vergibt jedes Semester Stipendien an ost- und mitteleuropäische, nordafrikanische sowie zentralasiatische Studierende. Die Stipendien dauern ca. sechs Monate. Im Allgemeinen beginnen die Stipendien für ein Wintersemester im Oktober und enden Ende März. Für das Sommersemester ist der Beginn Anfang April und endet Ende September. Jeweils in den ersten drei Monaten des Aufenthaltes in Deutschland besuchen die Stipendiaten die Universität, in den letzten zwei bis drei Monaten absolvieren sie ein Praktikum in einem Unternehmen, einer Behörde oder bei einer Organisation.

Das Stipendenprogramm beinhaltet folgendes:
• ein Semester an der Universität Hamburg
• Leben in einer Gastfamilie
• 2 bis 3-monatiges Praktikum in einem Unternehmen
• Info-, Freizeit- und Kulturveranstaltungen
• Zugang zum international Copernikus-Netzwerk
• ein Taschengeld von 300.- EUR/ monatlich
• Übernahme der Reise- und Visakosten
• Krankenversicherung

Bewerbungsschluss ist jeweils der:
01. September für das folgende Sommersemester (Programmbeginn 01. April) sowie der
01. März für das folgende Wintersemester (Programmbeginn 01. Oktober)

STUDIENAUFENTHALT
Das Copernicus-Programm ist von der Universität Hamburg als eigener Programmstudiengang anerkannt. Dadurch sind die Immatrikulationsbedingungen für Copernicus-Stipendiaten erleichtert. Die Zulassung zum Studium an der UniversitätHamburg ist jeweils auf ein Semester befristet.

Die Universität bietet eine Vielzahl von Vorlesungen, Seminaren und Arbeitsgemeinschaften an. Die Stipendiaten sind bei der Auswahl der Fächer frei. COPERNICUS erwartet jedoch von den Stipendiaten, dass sie während des Semesters Leistungsnachweise (durch Hausarbeit, mündliche oder schriftliche Prüfung) erbringen. Es müssen mindestens drei Leistungsnachweise erbracht werden. Inwieweit diese an der Heimatuniversität anerkannt werden können, ist im Voraus mit den eigenen Professoren zu klären. Es wird empfohlen, sich bereits vorab über die Studienangebote der Universität zu informieren und gegebenenfalls bereits im Vorfeld Professoren und Dozenten zu kontaktieren.

PRAKTIKUM
Das Praktikum, welches die Stipendiaten während ihres Gastaufenthaltes in Deutschland zu absolvieren haben, wird von COPERNICUS zusammen mit den jeweiligen Stipendiaten organisiert. Dazu bewerben sich die Stipendiaten zu Beginn des Studienaufenthaltes mit Unterstützung der Copernicus- Mitglieder bei den jeweiligen Unternehmen. Bei den Praktikumsgebern handelt es sich zumeist um internationale Unternehmen, Kanzleien, Behörden oder Organisationen.

UNTERBRINGUNG
COPERNICUS organisiert die Unterbringung der Stipendiaten entweder in Gastfamilien oder in Studentenwohnheimen. Wer wo unterbracht wird, hängt von der Zahl der zur Verfügung stehenden Gastfamilien und Wohnheimplätze ab und entscheidet sich in der Regel sehr kurzfristig. Die Mehrzahl der Stipendiaten wird jedoch in Gastfamilien untergebracht.

UMFANG DES STIPENDIUMS
COPERNICUS trägt für die Zeit des Stipendiums die notwendigen Lebenshaltungskosten der Stipendiaten, d.h. die Kosten für Unterbringung, Verpflegung, Krankenversicherung, Immatrikulation und Öffentlichen Nahverkehr. Es wird auch ein monatliches Taschengeld gezahlt (z.Zt. 260 EUR, ab Wintersemester 21/22 300 EUR). Außerdem finanziert COPERNICUS die preisgünstigste An- und Abreise und übernimmt anfallende Visagebühren.

BewerbungVoraussetzungenProgrammablaufStudienangebot UNI-HamburgGastfamilien

Quelle/Fotos: copernicus-stipendium

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Förderer: Dürr-Stiftung; Edmund Siemers-Stiftung; FROSTA; Zeit-Stiftung; Irene Schreiber Gedächtnis-Stipendium

Kooperationspartner: STUDY; Universität Hamburg; AOK; HanseMerkur

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Der Barbier von Taschkent

Barbier_Taschkent_VN Barbier-Salon in Taschkent; Foto: Dilfuza Amrillayevna

Herausragenden Leistungen liefern Friseuren aus aller Welt. Mal nennen sie sich auch Hair-Designer, Hairstylisten oder Barber. Der Begriff Barbier ist im westlichen Europa so gut wie ausgestorben. Das Wort Barber ist aber auch in Deutschland bekannt. 

In Friseursalons, deren Besitzer aus Arabien oder der Türkei stammen bzw. deren Eltern aus diesen Regionen stammen, taucht durchaus das Wort Barber neuerdings verstärkt auf. Ein Barber bedient männliche Kundschaft und kümmert sich um die Pflege der Kopf- und Barthaare. Das heißt konkret, er schneidet, wäscht und färbt die Kopfhaare und nimmt eine Bartrasur vor. 

Der italienische Komponist Gioachino Rossini (1792 bis 1868) sorgte mit seiner Oper „Der Barbier von Sevilla“ bis heute für einen hohen Bekanntheitsgrad des Barbers. Diese Oper gehört zum festen Kernbestandteil internationaler Opernhäuser. Peter Cornelius (1824 bis 1874) komponierte 1858 die komische Oper in zwei Akten „Der Barbier von Bagdad“. Der aus Mainz stammende Komponist trug auch dafür Sorge, dass das arabische Wort Barber bei uns bekannt wurde. 

Im Land an der Seidenstraße, in der usbekischen Hauptstadt Taschkent, ging es kürzlich „ab zum Barber!“ Das Waschen der Haare und das Schneiden waren ein Hochgenuss! Als westeuropäischer Gast hatte man den Eindruck, man befinde sich in Nebenräumen eines Badehauses. Der junge Barber war höchsterfreut, einen so weit gereisten Kunden in seinem Salon begrüßen und behandeln zu können. Das komplette männliche Verschönerungsprogramm schlug mit knapp 7 Euro zu Buche. Ein kleines Trinkgeld wird überall vom Dienstleister gern gesehen! An dieser Stelle nochmals ein ganz großes „Rachmatt“, dem usbekischen Wort für DANKE, an den „Barbier aus Taschkent“. 

Text: Volker Neef/Fotos: Dilfuza Amrillayevna

Preistafel - Barbier von Taschkent; Foto: Dilfuza Amrillayevna

Fürstlicher Service im SALON eines Taschkenter Barbiers; Foto: Dilfuza Amrillayevna 

Abbildung: ZVAB; "Der Barbier von Bagdad". Komische Oper in zwei Aufzügen. Nach der Originalpartitur bearbeitet von Felix Mottl. Klavierauszug mit Text (Ouverture 2händig und 4händig) von Otto Singer; 

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Besuch im jüdischen Kulturzentrum von Buchara

Buchara_Juedisches_Zentrum Buchara - Jüdisches Zentrum

Buchara: Zeit, die Steine aufzusammeln

„Der alte Friedhof in Buchara sollte den Status einer Gedenkstätte erhalten, in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und zum Kulturdenkmal erklärt werden“, sagte der berühmte Taschkenter Ethnograph Tursunali Kuziev, der auch Minister für Kultur und Sport der Republik Usbekistans und Berater des ersten Präsidenten Islom Karimov war und kürzlich den ältesten jüdischen Friedhof Bucharas besuchte. „Warum wurden die alten Schriftrollen der Thora, die nicht nur für die jüdische Geschichte, sondern für die gesamte Menschheit von unschätzbarem Wert sind, nicht als Raritäten von nationaler Bedeutung unter den Schutz des Staates gestellt?“, zeigt sich der Wissenschaftler überrascht.

Von Prof. Dr. Tursunali Kuziev, Minister a.D.
Die Geschichte des jüdischen Volkes reicht tausende von Jahren zurück, in denen es überall auf der Welt - in Europa, Afrika und Asien - im Exil lebte und sich ansiedelte. Nachdem sie ihr Land und damit auch ihre Sprache und Kultur verloren hatten, gelang es den Juden, nicht mit ihren Nachbarn zu verschmelzen, sondern ihren Glauben und ihre einzigartige Identität zu bewahren. In der jüdischen Diaspora haben sich zahlreiche kleine und große ethnische Gruppen gebildet: Babylonische, sephardische, aschkenasische, äthiopische "Falasha"-Juden, Cochin-Juden aus Indien, irakische "Baghdadi"-Juden, Bergjuden, georgische Juden, Juden der Provence und Juden aus Rom, slawophone Juden der Kiewer Rus', arabische Juden, persische Juden, Chasaren... Als das geeinteste und organisierteste von allen erwies sich jedoch das uralte Volk, das das Emirat Buchara und die benachbarten Khanate Chiwa und Kokand bewohnte und das als Buchara-Juden bezeichnet wird.

Die Gäste aus Taschkent mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde in Buchara

Avram Isakharov im Innenhof der Synagoge in Buchara

Drei Tage in der Welt der bucharischen Juden
Im zentralen Teil von Buchara befindet sich der älteste bucharisch-jüdische Friedhof der Welt. Er ist 1.250 Jahre alt. Auf einem kleinen Hügel unter einer jahrtausendealten Sandschicht wurden uralte Steine mit kaum lesbaren hebräischen Inschriften entdeckt. Das erzählte uns Avram Isakharov, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Buchara, als er die Verschönerung des ältesten jüdischen Friedhofs in ganz Zentralasien leitete. Mehr als 20.000 Grabsteine wurden von Freiwilligen buchstäblich unter mehr als zwei Metern alten Sandes und Schichten ausgegraben. Die 200, 400, 600, 700 und mehr Jahre alten Grabsteine sind aus lokalem Kalkstein aus Buchara-Mergel gefertigt, der sich hervorragend zur Bearbeitung, Beschriftung und Verzierung eignet. Dieses lokale Material war im heutigen Usbekistan zur Zeit der Ankunft Alexanders des Großen (4. Jahrhundert v. Chr.) und seiner Nachfolger weit verbreitet. Die schönen Säulen- und Kapitellbasen, Rosetten mit Plots, verziert mit Schrift und Verzierungen, sind bis heute daraus geschnitzt worden. Der Stein ist weich und formbar, und nach Jahrhunderten wird seine Festigkeit erhöht. So erhält die Legende, dass die Juden im dritten Jahrhundert v. Chr. als Teil der mazedonischen Truppen in unser Land kamen, historisch wahre Argumente. Die frühesten Grabsteine, die hier entdeckt wurden, stammen aus der Epoche der Makedonier.

Der jüdische Friedhof in Buchara

Am Eingang des Friedhofs steht ein Gebäude, das streng nach den Traditionen der islamischen Architektur errichtet wurde. Rechts in der Halle befindet sich ein bescheidenes Museum, an dessen Wänden zahlreiche Porträts berühmter Buchara-Juden hängen, die einst im Khanat von Buchara und später im Emirat Buchara lebten. Die Porträts zeigen uns die geistigen Gesichter der Menschen, deren Asche auf dem Friedhof ruht. Und die Erinnerung an sie - Lehrer, Ärzte, Finanziers, Musiker, Maqom-Künstler, Ingenieure und Erfinder - lebt in den Herzen der Menschen in Usbekistan, Zentralasien und der ganzen Welt weiter.

 Historischer jüdischer Grabstein - einer von vielen in Buchara

"Zeit, die Steine aufzusammeln", war der Satz, der mir durch den Kopf ging, als ich durch das riesige, etwa neun Hektar große Gelände ging. Meine gastfreundlichen Gastgeber, Vertreter der örtlichen Behörden, die mich begleiteten, mussten den Friedhof in seiner ganzen Länge und Breite erkunden. Obwohl sie ihr ganzes Leben lang in Buchara gelebt hatten, waren sie zum ersten Mal hier. "Zu unserer Schande", gaben sie zu. Es ist keine leichte Aufgabe, eine fast zehn Hektar große Fläche von einer tausend Jahre alten Sand- und Erdschicht zu befreien. Doch der Khokim-Gouverneur der Provinz und der Khokim-Bürgermeister von Bukhara kamen zur Hilfe. Sie halfen bei der Ausrüstung und lösten Probleme mit den städtischen Diensten und Versorgungsunternehmen. Finanzielle Probleme gab es nicht: Der eigens eingerichtete Fonds der Juden von Buchara löste alle Probleme mit den Ausgaben für die Sanierung der ältesten jüdischen Gedenkstätte in Zentralasien in Buchara. Es kamen auch viele Freiwillige. Und der Ort wurde attraktiv, schön und hell gestaltet.

Meine Mitreisenden waren eindeutig in Eile. Der Wind von Buchara bläst durch die wärmste Kleidung. Aber zusammen mit Avram Isakharov, der sich dem Sammeln von Grabsteinen verschrieben hat, sind wir jeden Weg gegangen. Es war, als ob wir auf den Spuren des Lebens, des Schicksals und der Geschichte der Juden von Buchara wandelten, denen viele Wanderungen zu verdanken sind. Wie Ebbe und Flut kamen sie in das gesegnete Land und kehrten dann in das Gelobte Land zurück. Hunderte und Tausende von Steinen, die unter dem Sand ausgegraben und wieder aufgerichtet wurden und auf denen Daten eingraviert sind, zeugen von einer weit zurückliegenden Vergangenheit. Und erst wenn man die kilometerlangen Straßen der jüdischen Gedenkstätte in Buchara durchwandert hat, kann man versuchen, die ganze Geschichte des Volkes - und jedes einzelnen seiner Vertreter - zu erfassen.

Hier befindet sich das Grab des marokkanischen Juden Yosef Samoe Maarawi (Mamon), Rabbi Yosef Mamon Maghribi. Als er erfuhr, dass die Juden von Buchara keinen Rabbiner mehr hatten, reiste er Tausende von Kilometern und kam nach Buchara, mit der Absicht, hier einige Zeit zu bleiben, einen Ersatz vorzubereiten und nach Marokko zurückzukehren. Aber er blieb für immer - er mochte Buchara so sehr. Bemerkenswert ist, dass Ibn Sina, der weltberühmte Sohn von Buchara, den Emir in jungen Jahren selbst geheilt hat und ihm dafür die Ehre zuteilwurde, die reiche Bibliothek des Herrschers zu nutzen, wo er unter anderem jüdische Manuskripte studierte.
Und hier liegt der allererste Kalontar begraben, ein Gelehrter der heiligen Tora, Rabbi Isoki Zambur, genannt Iskhakov. Er heilte Menschen von verschiedenen Krankheiten, die als unheilbar galten, allein mit Bienengift und heilte sogar einige der engsten Vertrauten des Emirs. Dafür gab ihm der Emir von Buchara persönlich den Ehrennamen Zambur - Biene. Dieses Insekt wurde von den Ulema von Buchara hoch verehrt. Eine erstaunliche Geschichte über Isoki Zambur, die von Mund zu Mund von den Menschen in Buchara weitergegeben wurde, hat unsere Tage erreicht. Die Witwe eines Juden aus Buchara hatte von ihrem Mann eine unterirdische Brennerei geerbt, in der sie Charob und Bouza braute und verkaufte. Von ihr wurde Alkohol gekauft, ebenso wie von den Mirshabs, den Wächtern und Wachleuten, einschließlich der Soldaten des Emirs. Eines Tages bemerkte man in der Moschee, dass betrunkene Soldaten bei den Gebeten auftauchten. Der wütende Emir befahl, sofort den Hersteller des Schnapses ausfindig zu machen, um herauszufinden, wo sich seine Naukars und Sarbazes betrinken würden. Die Spuren führten zur Feststellung einer einsamen Jüdin, und der Emir befahl, sie zu töten. Als Isoki Zambur dies hörte, kam er zum Emir, legte Fürsprache für die Frau ein und bat darum, anstelle der Witwe hingerichtet zu werden. Die Soldaten des Emirs erhielten den Befehl, Isoki Zambur vom hohen Minarett herunterzuwerfen. Als die Muslime jedoch erkannten, dass der Arzt, der Tausende von Patienten geheilt und sich für eine arme Frau geopfert hatte, hingerichtet werden sollte, begannen sie für seine Rettung zu beten. Der Allmächtige erhörte die Gebete der Muslime: Isoki Zambur, der vom Minarett geworfen wurde, landete unversehrt und lebendig!

An der Gedenkmauer befinden sich Granitplatten mit den Namen von etwa 500 usbekischen Juden aus Buchara, die am Zweiten Weltkrieg teilgenommen haben. Mehr als 200 von ihnen haben auf den Schlachtfeldern des Faschismus ihr Leben gelassen und sind nicht mehr nach Buchara zurückgekehrt.

Als Mensch mit reichhaltiger Erfahrung auf dem Gebiet des kulturellen Erbes schlage ich dringend vor, dem Friedhof der Juden von Buchara den Status einer jüdischen Gedenkstätte von Buchara zuzuerkennen und dann, wenn die festgelegten Verfahren durchlaufen sind, verdient er einen Platz in der UNESCO-Liste der Kulturdenkmäler. Ich stütze mich auf mein Wissen über Denkmäler, auf die praktische Erfahrung eines Mannes, der jeden Winkel Zentralasiens durchwandert hat, der fast jedes Fragment des kulturellen Erbes von Bergsteigern, Steppenbewohnern, Nomaden und Bauern, Sesshaften, Stadtbewohnern und vielen anderen Gemeinschaften gesehen, fotografiert und beschrieben hat. Ich argumentiere dafür, dass die Gedenkstätte einen staatlichen Schutz verdient und in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und zum Kulturdenkmal erklärt werden sollte. Es handelt sich um ein historisches Erbe, das sich aus den Namen historischer Persönlichkeiten aus der ganzen Welt zusammensetzt: aus Zentralasien, dem Nahen Osten, Nordafrika und dem Mittelmeerraum. Vertreter aller Zweige und Richtungen des Judentums weltweit haben hier seit 1.500 Jahren ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ich bin mir nicht sicher, ob es viele Gedenkstätten auf der Welt gibt, in denen auf Zehntausenden von Grabsteinen neben den jüdischen Namen aus Buchara auch die Namen von Juden aus dem Hochland, marokkanischen Juden, arabischen Juden, aschkenasischen Juden und anderen stehen. Jeder Stein hat seine eigene Geschichte. Unter jedem von ihnen befinden sich Menschen, die Tausende von Kilometern zurückgelegt haben, um auf dieser Erde zu bleiben.

Leben, glauben, predigen, erziehen, erfinden, heilen, lehren, arbeiten, basteln. Den Menschen zu dienen, den Herrschenden, dem Volk, den Bedürftigen, den Kranken. Kultur, Erleuchtung, hohe Kunst zu bringen. Um eine gute Spur in der Geschichte zu hinterlassen, eine gute Erinnerung, eine Schule, Werkstätten mit Geheimnissen, Häuser wie Kunstwerke. Und bleiben nur ein Stein im Boden. Viele dieser stillen Steine sind es wert, ein kulturelles oder zumindest ein historisches Erbe zu werden. Welch eine Kluft zwischen ihnen und dem modernen Kitsch, der die muslimischen Friedhöfe überschwemmt - grandiose schwarze Gabbroblöcke mit naiven Porträts.... Werfen Sie einen Blick auf die Meisterwerke der Steinmetzkunst vergangener Jahrhunderte: Prächtige Kalligraphie, feinste Grafik, einzigartige Komposition, Kürze und Kultur, Kunst und Poesie in Stein gemeißelt!

Avram Isakharov zeigt eine der wertvollen Thora-Rollen in der Synagoge

 Synagoge mit unschätzbaren Relikten

Im Jahr 1621 wurde eine Synagoge in einer Mahalla (Viertel) im jüdischen Bezirk von Buchara, Mahalai Kuhna (Alte Mahalla), gebaut. Nach Angaben von Avram Isakharov, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde von Buchara, werden hier zwei der ältesten Torarollen der Welt aufbewahrt. Dies erklärt, warum die Mächtigen in Usbekistan, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu dem einen oder anderen Zweig des Judentums, es als eine Ehre betrachten, nach Buchara zu pilgern, die älteste Synagoge zu besuchen, heilige, unschätzbare Artefakte der Geschichte ihres alten Volkes zu sehen und zu verehren. Zu ihnen gehören Henry Kissinger, Madeleine Albright und andere würdige Söhne und Töchter des jüdischen Volkes. Aber es sind nicht nur Juden und Juden, die diese Synagoge besuchen. Politiker und religiöse Persönlichkeiten aus Usbekistan und der ganzen Welt haben sie besucht und die alten Relikte der Juden mit eigenen Augen gesehen. Hillary Clinton war zum Beispiel hier.
Und die Behauptung des Leiters der jüdischen Gemeinde von Buchara, dass die beiden auf dem Altar der Synagoge von Buchara ausgestellten Torarollen die ältesten bisher bekannten sind, scheint sehr überzeugend. Da ich die Reliquien der Juden, unserer Brüder im Buch, kaum berührt hatte, fragte ich mich, warum die Artefakte, die nicht nur für die jüdische, sondern auch für die Weltgeschichte von unschätzbarem Wert sind, nicht als Raritäten von nationaler Bedeutung unter den Schutz des Staates gestellt wurden.

Und das ist kein Einzelfall. Dr. Kato Kyuzo, ein hervorragender japanischer Archäologe, mein Freund und Sensei, der die letzten 35 Jahre seines Lebens damit verbracht hat, die Denkmäler der buddhistischen Kultur auf dem Gebiet Usbekistans zu studieren, bestätigte, dass der Buddhismus als Religion und Kultur vom Gebiet Südusbekistans über China und Korea nach Japan kam! Und das von dem herausragenden Vertreter des Buddhismus und Gründer der SGI Peaceful Buddhist Society, meinem Freund Dr. Daisaku IKEDA, herausgegebene luxuriöse Album "Antiquities of Southern Uzbekistan" veranschaulicht die Behauptung der japanischen Historiker. Unsere Vorfahren haben lange vor der Ankunft des heiligen Islam den Buddhismus mit wahrer Toleranz angenommen. Hunderte von Tempeln, Stupas und Klöstern für Mönche und Pilger wurden gebaut, und in ganz Usbekistan entstand eine Galerie von Denkmälern.

Und die ersten Christen? Nachdem sie im Römischen Reich tödliche Verfolgung erlitten und ihr Leben gerettet hatten, wanderten sie zu Beginn der neuen Zeitrechnung in unsere Länder ein. Ihre Klöster in der Altstadt von Termez und im Urgut-Gebirge wurden von meinem Freund, dem Termez-Archäologen Konstantin Sheiko, entdeckt. Artefakte der frühen Christen sind in unserem Land noch erhalten. Der christliche Tempel von Kafirkala in der Nähe von Samarkand, der von den Horden des Dschingis Khan niedergebrannt wurde, blieb auch nach der Annahme des Islams in Betrieb, und sein Bestand wurde auf Kosten der örtlichen Bevölkerung aufgestockt.

Seit dem Aufkommen des Islams zur Zeit des Gesandten Allahs (s.a.w.) selbst haben die verschiedenen arabischen Stämme einen Kampf geführt und sich gegenseitig beschuldigt, die Worte Allahs falsch zu interpretieren. Bruder gegen Bruder, Muslim gegen Muslim... Gab es zwischen ihnen nicht einen hundertjährigen Krieg? Dieser Krieg hat stattgefunden, und er ist ein lehrreicher und schmerzhafter Fleck in der Geschichte unserer Religion geblieben. Historiker der islamischen Religion berichten, dass die Araber selbst den ältesten Koran der islamischen Welt, den Qattalangar-Koran, ins zentralasiatische Mowaraunnahr schickten, da sie darauf vertrauten, dass dieses alte religiöse und historische Artefakt dort bewahrt werden könnte. Leider hat sich die Geschichte dieser Reliquie, die seit tausend Jahren in Usbekistan gehütet wird, anders entwickelt. Der Koran wurde nach St. Petersburg gebracht und wird seit anderthalb Jahrhunderten in der Öffentlichen Bibliothek Russlands als unschätzbares Exponat aufbewahrt. Kennern zufolge ist der legendäre Koran von Qattalangar 150 Jahre älter als der Koran von Khalifa Osman, zu dem die gesamte islamische Welt pilgert.

Allah sei Dank gelang es den Angestellten der Moschee, in der diese unschätzbare Reliquie aufbewahrt wurde, ein Dutzend Blätter des Qattalangar-Korans zu verstecken, die nun als Reliquien von nationaler Bedeutung aufbewahrt werden. Wussten Sie, dass bis heute keine einzige Versicherungsgesellschaft der Welt in der Lage war, die Versicherungssumme für den in Taschkent gelagerten Muzhab zu nennen? In der neuen Geschichte Usbekistans gibt es viele solcher Fakten. Und um vom Kern unserer Erzählung wegzukommen: Als die russische Avantgarde während der legendären "Bulldozer-Ausstellung" im Herzen des Sowjetimperiums zur Persona non grata erklärt wurde, rettete der große Igor Savitsky die russische Avantgarde vor ihren Verfolgern. Wie Schindler, wie der japanische Botschafter in Deutschland, der die Juden vor dem Holocaust rettete, brachte Igor Savitsky die Sammlung der russischen Avantgarde nach Usbekistan und rettete sie dort. Die Sammlung wird im Savitsky-Museum in Nukus aufbewahrt, und die gesamte fortschrittliche Menschheit nennt das Museum den "Louvre der Wüste". Savitsky sammelte auch eine berühmte Serie von Werken der schönen Künstlerin Helena Korovai, die dem Ort gewidmet ist, an dem die Buchara-Juden in Buchara lebten. Darunter: "Schneider von Buchara", "Zimmerleute" und "Rosa Frauen". Der Zyklus über die Juden von Buchara ist immer in der ständigen Ausstellung des Museums zu sehen, nimmt an allen Ausstellungen teil, und das Gemälde "Färber" wurde zu einem der Markenzeichen des Museums.

Persönlichkeiten des bucharischen Judentums und internationale Gäste der Jüdischen Gemeinde Bucharas

Aber ich werde das Thema der Juden von Buchara fortsetzen. Avram Isakharov erzählte die rührende Legende einer Synagoge, die vor 420 Jahren gebaut wurde, zur gleichen Zeit wie das Ensemble um Lyabi Hauz. Es war diejenige, über die der sowjetische Orientalist und Ethnograph Zalman Lvovich Amitin-Shapiro in den 1930er Jahren in seiner Erzählung über den Bau der ersten Synagoge in Buchara schrieb. Die Legende besagt, dass während der Herrschaft von Imam-Kuli Khan sein Wesir Nadir Diwan-Begi die Khanaka Madrassah errichtete und dass sich daneben ein großer Hof einer jüdischen Witwe namens Ester befand. Diwan-Begi beschloss, es abzureißen, um ein Reservoir für die Moschee zu bauen, aber die Jüdin war nicht bereit, es zu verkaufen. Im Gegenzug bat sie um ein Grundstück für den Bau einer Synagoge, und Diwan-Begi stimmte zu. Er schenkte der Frau sein Grundstück im heutigen "jüdischen" Viertel (Mahalla Kuhna). So entstand die erste Synagoge in Bukhara. Die jüdische Witwe lebte bis an ihr Lebensende in einem neuen Haus hinter der Synagogenmauer, und Diwan Begi ließ an der Stelle ihres alten Hauses einen Teich anlegen, den heute berühmten "Labi Hauz", den friedlichsten Ort der Stadt.

Und da fiel mir ein: Nirgendwo in der islamischen Welt gibt es oder wird es ein auffälliges Schild mit der Aufschrift "Bukhoro Yahudiylari Maschiti" ("Synagoge der Juden von Buchara") geben. Dies ist nur in Usbekistan möglich, der Wiege des toleranten Bucharas, wo es üblich ist, den Glauben des anderen mit größtem Respekt zu behandeln.

Prof. Dr. Tursunali Kuziev, ehemaliger Minister für Kultur und Sport der Republik Usbekistan.

Taschkent, Juli 2021

USBEKISTAN-ONLINE dankt der Zeitung „Bukharian Times“ für die freundliche Genehmigung zur Übernahme des Artikels, der zuerst dort im Juli 2021 erschienen ist. Übersetzung aus dem Russischen: Urs Unkauf.

Anmerkung der REDAKTION USBEKISTAN-ONLINE:
Verfassung Usbekistan: https://www.verfassungen.net/uzb/verf92-i.htm
Grundrechte: Art. 18; Alle Bürger der Republik Usbekistan haben gleiche Rechte und Freiheiten und sind unabhängig von dem Geschlecht, der Rasse, Nationalität, Sprache, Religion, sozialen Herkunft, den Anschauungen oder der persönlichen und gesellschaftlichen Stellung vor dem Gesetz gleich.
Religionsfreiheit: Verfassung, Art. 31; Die Gewissensfreiheit wird allen zugesichert. Jeder hat das Recht, sich zu einer beliebigen, oder zu keiner Religion zu bekennen. Die gewaltsame Verbreitung religiöser Anschauungen ist unzulässig.
Trennung von Staat und Religion: Art. 61; Die religiösen Organisationen und Vereinigungen sind vom Staat getrennt und sind alle gleich vor dem Gesetz. Der Staat mischt sich in die Tätigkeit religiöser Vereinigungen nicht ein.

Avram Isakharov (l.) mit Prof. Dr. Tursunali Kuziev, ehemaliger Minister für Kultur und Sport der Republik Usbekistan.
Aktuell leitet er den Islom Karimov-Gedenkkomplex und unterrichtet als Professor an der Universität für Journalismus und Massenkommunikation der Republik Usbekistan.

Prof. Dr. Tursunali Kuziev (2. v. l.) zu Besuch im jüdischen Zentrum von Buchara

Kontakt:
Adresse der Jüdischen Gemeinde Buchara
Ulitsa Džalola Ikromiy, Nr. 11,
Buchara - 
Usbekistan
Telefon: +998 91312 8348

JBSZ - Die Bucharische Zeiten - Deutschland
Adresse: Bangemannweg 8a,

D-30459 Hannover

Telefon: +49 511 54543969

E-Mail:  info(at)jbsz.de

Internet:  www.jbsz.de

Empfohlene LINKS:
USBEKISTAN-GALERIE - Samarkand: Jüdische Synagoge

WIKIPEDIA - Bucharische Juden | Synagoge
Deutschlandfunk - Der letzte Rabbi von Buchara
Virtual Jewish world Bukhara Jews

Empfohlene Literatur: USBEKISTAN-ONLINEMEDIATHEK • Bukhara | • Buchara
• Reisebilder aus Transkaspien, Buchara und Turkestan
• Neue Fischer Weltgeschichte
• Zentralasien: Porträt einer Region
• Studien zum Multilingualismus aschkenasischer und orientalischer Juden im asiatischen Teil der Sowjetunion
• Bukharan Jews and the Dynamics of Global Judaism
• Bukharan Jews in the 20th Century
• Bukharan Jews in the Soviet Union
• Encyclopedia of the Jewish Diaspora [3 Volumes]: Origins, Experiences, and Culture
• Music of the Oriental Jews From North Africa, Yemen and Bukhara
• The Book of Jewish Food: An Odyssey from Samarkand and Vilna to the Present Day

Empfohlene Beiträge:
TIME Magazin - The Exodus from Bukhara
The New York Times - In Bukhara, 10,000 Jewish Graves but Just 150 Jews
The Guardian - Last Jews of Bukhara fear their community will fade away
Nationalgeographic - Bukhara Jews Thrive in New York but Are Almost Gone in Bukhara

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YOUTUBE: Uzbekistan's Remaining Bukharan Jews Hold Tight To Traditions

YOUTUBE: Bukhara | Why Travel Uzbekistan's Silk Road?

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Oksana Chusovitina, 8 Olympische Spiele - Sie ist eine Legende!

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"Usbekische Legende" Chusovitina hat sich vom großen Sport verabschiedet.

Die usbekische Sportlerin Oksana Chusovitina debütierte bei den Olympischen Spielen in Tokio und verabschiedete sich vom Sport.

Am Sonntag trat Chusovitina dank COVID-19 ohne Zuschauer in der Arena auf. Trotzdem beobachteten sie ihre Kollegen in der Arena und die Schiedsrichter mit tosendem Applaus.
Chusovitina gab 2009 und 2012 ihren Rücktritt vom Sport bekannt, änderte jedoch ihre Meinung und wurde erneut für die Olympischen Spiele ernannt. Die Athletin sagte, dass diese Reise definitiv ein Abschied vom Sport sei.

In einem Interview mit The Guardian sagte Chusovitina, sie plane, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und einen Sportverein in Taschkent zu eröffnen.

„Mein Sohn ist 22 und ich möchte mehr Zeit mit ihm verbringen. Ich möchte Mutter und Freundin sein“, sagte die Sportlerin.

YOUTUBE: FIG Channel - CHUSOVITINA Oksana (UZB) - 2019 Artistic Worlds, Stuttgart (GER) - Qualifications Floor Exercise

Chusovitina erzielte in Tokio 14.166 Punkte. Damit war es perfekt für die Qualifikationsrunde.
Chusovitina verabschiedete sich in Tokyo mit Tränen in den Augen und zeigte mit den Händen geformtes Herz, ein „bye bye“ an das Publikum und Abschied vom Sport.

Mit stehenden Ovationen bereiteten Volunteers, Konkurrentinnen und Trainer der Usbekin einen emotionalen Abschied. „Ich bin jetzt zufrieden und nicht zufrieden, weil ich meinen Sprung gemacht habe, egal ob Finale oder nicht, aber ich habe Tschüss gesagt. Aber in meinem Herz tut es ein bisschen weh“, sagte sie.

Die Athletin wurde nach dem Event von USA Today interviewt: „Das ist es mir einfach so eingefallen. Ich habe Freudentränen vergossen, weil mich viele Menschen schon lange unterstützen.“

Vor Chusovitinas Auftritt schrieb der amerikanische Turner Eli Reisman, der sechsmal eine Medaille bei den Olympischen Spielen gewann, auf Twitter: „Es ist unmöglich zu beschreiben, wie beeindruckend das ist.“

NBC Sports berichtet, dass Chusovitina, 46, die älteste Sportlerin wurde, die am Sonntag an den Olympischen Spielen teilnahm.

1991 wurde Chusovitina zweimalige Weltmeisterin in der Nationalmannschaft der UdSSR. In der Vergangenheit hat sie neben der UdSSR und Usbekistan die Ehre sowohl der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten als auch Deutschlands verteidigt. Als bei seinem Sohn Alischer eine akute lymphatische Leukämie diagnostiziert wurde, zog der Sportler 2002 zur Behandlung nach Deutschland.

Chusovitina ist im Guinness-Buch der Rekorde als einzige Turnerin der Welt aufgeführt, die an acht Olympischen Sommerspielen teilgenommen hat. Mit ihrem Auftritt in Tokio erhielt sie einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde.

Zuvor hatte Chusovitina bei der Gymnastik-WM in Doha, Katar, einen weiteren Sieg errungen.

Die usbekische Sportlerin Oksana Chusovitina, die zu einer Legende im Weltturnen geworden ist, sagte, dass sie ihre Sportkarriere nach den Olympischen Spielen in Tokio beenden will.

Quelle: ozodlik.org

Empfohlene LINKS:
WIKIPEDIA - Olympische Sommerspiele - USBEKISTAN | Oksana Chusovitina

Oksana Aleksandrowna Chusovitina (russisch Оксана Александровна Чусовитина/Oxana Alexandrowna Tschussowitina; * 19. Juni 1975 in Buchara) ist eine ehemalige deutsch-usbekische Kunstturnerin. Sie war Olympiasiegerin 1992 und mehrfache Welt- und Europameisterin. Sie hat zwischen 1992 und 2021 an acht Olympischen Spielen teilgenommen und ist damit Rekordteilnehmerin bei olympischen Turnwettbewerben. Die Athletin und Sportlegende trägt den Ehrentitel "Stolz Usbekistans".

Usbekische Briefmarke 2001. Quelle WIKIPEDIA

YOUTUBE: CBC/Radio-Canada Oldest female Olympic gymnast of all-time, Oksana Chusovitina, retires

 YOUTUBE: Arirang News - Oksana Chusovitina says goodbye after eight Olympics

YOUTUBE: FIG Channel - Oksana Chusovitina, Olympic Games - She's a legend! - We are Gymnastics!

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"Es erwartet uns eine Dürre, die bis zum Ende des Jahrhunderts andauern wird"

uz_aralsee_moynak_bodo_thoens Aralsee: Foto; Bodo Thöns

Ein Gespräch mit Professor Usman Norkulov über Wasserprobleme in Usbekistan

Usbekische Landsleute machen sich von Jahr zu Jahr mehr Sorgen über den Mangel an Trinkwasser, Wasser für die Landwirtschaft, Dürre und andere Probleme im Zusammenhang mit Wasser. Die Arbeiten zum sparsamen Umgang mit Wasser im Land gehen nur sehr langsam voran. Zum Beispiel wird bei der Bewässerung der wichtigsten landwirtschaftlichen Gebiete in Usbekistan immer noch eine Massenbewässerung verwendet, wie in den 1970er bis 1980er Jahren ...

Der Korrespondent von Kun.uz organisierte ein Interview mit dem Doktor der Agrarwissenschaften, Professor Usman Norkulov, über die Schwierigkeiten, die das Land erwarten, über die Gewinnung neuer Technologien in diesem Bereich und im Allgemeinen über die Anpassungsprozesse an die Wasserprobleme.

Wissenschaftler stellen fest, dass in Zentralasien, einschließlich Usbekistan, in den letzten Jahrzehnten Dürre herrschte. Ist das in unserer Region üblich? Wie lange kann eine solche Dürre dauern, wenn wir uns der Geschichte zuwenden?

- Tatsächlich gibt es Trockenzonen auf der Erde. Der zentralasiatische Raum ist ein solches Gebiet. Dürre wiederholt sich hier regelmäßig. Es gibt Jahre in unserer Geschichte, in denen die Dürre sehr stark war.

Ich analysierte die Daten zu atmosphärischen Niederschlägen der letzten hundert Jahre und fand heraus, dass in diesen hundert Jahren nur sieben Jahre lang genug Niederschlag für die Landwirtschaft und im Allgemeinen für den Wasserbedarf vorhanden war. Das sind 7 von 100 Prozent. Gleichzeitig gab es in diesem Zeitraum während 8 Jahren Perioden mit sehr starker Dürre. In diesen Jahren sank die Wasserversorgung auf 40 Prozent.

In den letzten 100 Jahren ereignete sich 1917 die schlimmste Dürre in unserer Region. Menschen, Flora und Fauna waren stark betroffen.
Bis in die 1960er Jahre gab es praktisch keine Dürre. Beobachtungen zeigen, dass die Dürre nach diesen Jahren alle 7-8 Jahre wiederkehrte. Nach den 2000er Jahren hat sich dieser Zeitraum noch mehr verkürzt.

Ein weiterer Punkt: In den letzten hundert Jahren wurde die Überschreitung der Norm des atmosphärischen Niederschlags nur einmal beobachtet. Das war 1969.

Was bedeutet das? Diese Situation wird hauptsächlich mit der globalen Erwärmung in Verbindung gebracht. Jetzt führen alle Wissenschaftler der Welt sowie die UNO ernsthafte Forschungen zu diesem Problem durch.

In den letzten 10-15 Jahren hat der Schneefall stark abgenommen. Es regnet ganz kurz. Jetzt gibt es praktisch keine intensiven Regenfälle, die 2-3 Tage dauern. Aber gerade solche Regenfälle sind für die Landwirtschaft nützlich, sie werden gut in den Boden aufgenommen. Wenn der Regen leicht ist oder sehr schnell aufhört, zieht er nicht in den Boden ein und die Verdunstung nimmt zu.

Die Verringerung der Niederschlagsmenge hat einen äußerst negativen Einfluss auf die Pflanzenproduktivität und die Bodenfruchtbarkeit. Die Zahl der Krankheiten nimmt zu. Dies führt auch zur aktiven Vermehrung einiger Mikroorganismen und Insekten.

Auch in Zukunft werden uns schwierige klimatische Jahre bevorstehen. Wissenschaftlern zufolge wird diese Dürre in unserem Land bis zum Ende des Jahrhunderts andauern.

Ist es möglich, dass uns eine so schwierige Zukunft erwartet?

- Jawohl. Zuvor sagte ich, dass in den schlimmsten Dürrejahren die Niederschlagsmenge auf 40 Prozent gesunken ist, und jetzt wird erwartet, dass sie auf 25 Prozent zurückgeht. Diese Veränderungen in unserer Umwelt sind sehr dramatisch und 25 Prozent der Niederschläge werden auch nicht viel nützen.

Unsere Region, die bereits ein stark kontinentales Klima hat, wird sich noch stärkeren Veränderungen gegenübersehen. Dafür müssen wir bereit sein. In erster Linie sollten Wissenschaftler ihre Forschung intensivieren.

Wir müssen die Verluste der Landwirtschaft, die Folgen von Wasserknappheit oder Staubstürmen vorhersagen. Die wissenschaftliche Vorhersage sollte gestärkt werden. Bei der Vorhersage des Klimawandels ist eine Genauigkeit von 60-70 Prozent erforderlich.

- Sie sprechen von der Fähigkeit, Wasser im Boden für die Wirksamkeit der Landwirtschaft zu erhalten, d.h. es muss eine gute Zusammensetzung haben. Natürlich ist es sehr wichtig, dass die Bodenzusammensetzung reich an organischer Substanz ist. 

Wie ist der aktuelle Zustand der Böden in Usbekistan, die mit Gold verglichen werden?

Professor Usman Norkulov, Doktor der Agrarwissenschaften
- Unsere Leute sagen richtig, dass die Erde mit Gold verwandt ist. Ich würde sagen, dass Land wertvoller ist als Gold. Die Erde produziert ununterbrochen Getreide und ernährt Lebewesen. Wir müssen die Eigenschaften des Bodens schützen.

Was ist Bodenfruchtbarkeit? Dies ist die Fähigkeit des Landes, Getreide zu produzieren. Und diese Fähigkeit sollte nicht reduziert werden. Unsere Bevölkerung wächst von Jahr zu Jahr und auch der Bedarf an Land und Nahrung wächst. Wie kann man ihn befriedigen? Wir haben neue Länder. Es gibt Möglichkeiten, sie zu meistern. In Usbekistan gibt es genügend wirtschaftliche Möglichkeiten und wissenschaftliche Unterstützung. Das Problem hat noch eine andere Seite. Es ist notwendig, die Fruchtbarkeit unseres Landes auf einer Fläche von 4 Millionen 300.000 Hektar auf einem hohen Niveau zu halten.

Vergleicht man den Zustand der Agrarflächen in den letzten 20-30 Jahren, so ist die Fertilität in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Wenn beispielsweise in den 1960-70er Jahren die Humusschicht im Boden 1,4-1,5% betrug, ist sie heute auf 1-1,1% gesunken. Wir haben auch hellgrau-braune braune Böden mit geringer Fruchtbarkeit. Ihre Fruchtbarkeit nimmt noch mehr ab.

Wir müssen neue Technologien entwickeln, um die Bodenfruchtbarkeit auf großen Flächen zu erhalten. So wurde zum Beispiel schon während des Baumwollmonopols in der Sowjetunion Klee auf den Feldern angebaut. Die Fruchtfolge war gut etabliert. Aber später, in den 1980er und 90er Jahren, verschwand die Praxis des Kleepflanzens praktisch. Stattdessen haben wir Weizen eingeführt. Weil es für das Land notwendig war. Bei Baumwolle und Weizen haben wir auf eine Fruchtfolge umgestellt. Aber diese Pflanzen benötigen viele Nährstoffe vom Land. Wir ernten nicht nur Weizen vollständig, sondern auch Stroh, nicht nur Baumwolle, sondern auch deren Stängel.

„Wir geben dem Boden nichts außer Dünger?.“

- Ja, wir geben dem Boden nichts, wir nehmen es nur davon. Sammelt man beispielsweise 25-30 Zentner Baumwolle pro Hektar, weitere 6-7 Tonnen Weizen und die gleiche Menge Stroh, bleibt nichts für den Boden übrig. Nach der Ernte im Herbst müssen sie Gründünger anpflanzen, die grüne Masse ergeben. Auch nach Weizen sollten mindestens 50 Prozent des Strohs auf dem Boden bleiben.

Mähdrescher mähen jetzt Stroh in einer Höhe von 10-12 cm über dem Boden. Und es zu verbrennen ist sehr schädlich. Wenn Landwirte je 40-45 cm von 70-90 cm Weizen belassen, ist dies sehr vorteilhaft für das Land. Das bedeutet, dass mindestens 4-4,5 Tonnen Nahrung im Boden verbleiben. Wir können der Erde nicht ständig so viel Nahrung geben. Mineraldünger sind knapp und sehr teuer.

Wenn wir unsere Probleme mit der Viehfütterung lösen und das Stroh behalten können, wird das sehr hilfreich sein. Ich denke, dass es immer noch notwendig ist, auf ein solches Regime umzusteigen. Auf Böden mit sehr geringer Fruchtbarkeit muss auf neue Technologien umgestellt werden, beispielsweise die Aussaat mit Hydrokultur. Solche Pflanzen sollten in Wüsten gesät werden, an Orten, an denen es unmöglich ist, auf natürliche Weise Pflanzen anzubauen.

- Experten zufolge sind in Usbekistan heute mehr als 60 Prozent der Landflächen mehr oder weniger salzhaltig. Schauen wir uns dieses Thema genauer an.

Was ist Salzgehalt? Warum passiert es? Welche Maßnahmen gegen Versalzung werden in Usbekistan wirksam sein?

Tatsächlich waren im Jahr 2000 60-65 Prozent der bewässerten Gebiete in Usbekistan versalzen. 

Warum ist der Boden versalzt? Dieses Phänomen tritt vor allem in den Ebenen und in neu entwickelten Regionen auf. Tatsächlich traten dort sogar zum Zeitpunkt des Auftretens von Boden Salze auf. Dies ist der erste Grund. Zweitens haben wir vier hydrogeologische Zonen: bergige Zonen, Vorgebirge, Hügel und Ebenen. An Orten mit hohem Relief gibt es viel Niederschlag. Sie werden natürlich in den Boden aufgenommen und fließen mit dem Grundwasser in die Ebenen. Die Zusammensetzung des Grundwassers enthält bereits mindestens 1,5-2 Gramm Salz pro Liter und maximal 15-20 Gramm pro Liter. Diese Salze verdampfen durch Verdunstung am Entstehungsort wieder an der Erdoberfläche.

Die dritte Quelle des Salzgehalts sind Salze, die mit der Bewässerung kommen. Nehmen wir zum Beispiel den Fluss Chirchik. Sein Wasser enthält 0,5-0,7 Gramm Salz pro Liter. Der zu uns kommende Teil des Syr Darya enthält 0,5-1 Gramm Salz pro Liter.

Für einen Hektar geben wir mindestens 2,5 oder sogar bis zu 7-8 Tausend Kubikmeter Wasser. Dieses Wasser hebt das Salz aus dem Boden. 1 Gramm Salz pro Liter Wasser ist viel. Das bedeutet, dass Salz zusammen mit Wasser auch in salzhaltige Länder gelangt.

Es gibt auch eine vierte Salzquelle. Dies ist die Austrocknung des Aralsees. Heute umfasst der ausgetrocknete Teil des Aralsees mehr als 5 Millionen Hektar. Durch die Wasserentnahme und Verdunstung war nur noch Salz übrig. Diese Salze werden durch Winde und Wirbelstürme tonnenweise durch die umliegenden Gebiete getragen.

ARALSEE; Foto: Bodo Thöns

Nach Berechnungen nahmen in den 1960-70er Jahren Hurrikane in diesen Gebieten etwa 15-17 mal im Jahr zu. Jetzt kommen sie in 30-40 und in einigen Jahren - bis zu 50 mal im Jahr.

Salze des Aralsees finden sich auf den Gletschern des Pamir, Tien Shan, außerdem in den tropischen Zonen und Wäldern Indiens. Die Zugehörigkeit zum Aralsee bestätigt die Zusammensetzung des Salzes.

Woher kommt so viel Salz im Aralsee?
Während der Sowjetzeit wurden Abwässer, Herbizide, Entlaubungsmittel, Trockenmittel, Rückstände von Mineraldüngern und anderen Substanzen in die Flüsse Amu Darya und Syr Darya gegossen, die mit dem Wasser der Flüsse in den Aralsee fielen und sich auf seinem Grund absetzten.

Das vollständige Interview ist als Video auf YOUTUBE verfügbar.

KUN.uz; Interview Sherzod Egamberdiev mit Ilyas Safarov; Professor Usman Norkulov

Empfohlene LINKS:
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USBEKISTAN-GALERIE | ARALSEE

YOUTUBE: Interview mit Professor Usman Norkulov über Wasserprobleme in Usbekistan

ARALSEE - Foto: Bodo Thöns

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Internationale Konferenz in Taschkent - „Zentral- und Südasien: regionale Konnektivität. Herausforderungen und Möglichkeiten“

Tagungsort_Hilton Internationale Konferenz in Taschkent
In der Zeit vom 15.-16. Juli 2021 fand in der usbekischen Hauptstadt Taschkent die internationale Konferenz „Zentral- und Südasien: regionale Konnektivität. Herausforderungen und Möglichkeiten" statt. Einlader zu dieser Konferenz war der Präsident der Republik Usbekistan, Shavkat Mirziyoyev.

Der Usbekische Staatspräsident und der Usbekische Außenminister Abdulaziz Kamilov konnten als Teilnehmer u. a. den Pakistanischen Staatspräsidenten Imran Khan, den Außenminister Russlands Sergei Lawrow und den Chinesischen Außenminister Wang Yi in Taschkent begrüßen.
Das Hauptziel des Forums war die Festigung der historisch engen und freundschaftlichen Verbindungen, des Vertrauens und der guten Nachbarschaft zwischen den Staaten Zentral- und Südasiens im Interesse aller Völker und Länder beider Regionen.
Deutschland war vertreten durch den neu ernannten Beauftragten des Auswärtigen Amtes für Osteuropa, Kaukasus und Zentralasien, Botschafter Matthias Lüttenberg. 

Der Staatspräsident Pakistans betonte in Taschkent, dass Pakistan und Usbekistan das gleiche Ziel verfolgen. Es gelte, eine Intensivierung der starken Handels- und Wirtschaftsbeziehungen herbeizuführen. Eine Stärkung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen sind für beide Seiten von Vorteil und eine Win-Win-Situation. „Usbekistan kann von Pakistans geostrategischer Lage profitieren, einem Markt mit 220 Millionen Menschen und Zugang zum Nahen Osten und Afrika, während Pakistan über Usbekistan, einem wichtigen und zentralen Punkt dieser Region, Zugang zu den zentralasiatischen Staaten, den Ländern der Seidenstraße also, haben kann", bemerkte der Staatspräsident Pakistans. Imran Khan brachte diese Ansichten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev zum Ausdruck. Zuvor hatte man eine eingehende Diskussion über verschiedene Themen von gemeinsamem Interesse geführt.

Alle an der Konferenz in Taschkent anwesenden Staatsmänner und Diplomaten betonten am Ende der Internationalen Tagung, dass man zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen habe. Nun werde man diese neugewonnenen Erkenntnisse in den betreffenden Heimatländern in der Praxis umsetzen.
Text: Volker Neef/Fotos: Dirk Schäfer; Dilfuza Amrillayevna

Weitere empfohlene LINKS:
Ostexperte.de - Zentralasien-Südasien-Konferenz in Taschkent
euronews.de - Vernetzung von Zentral- und Südasien: Alte Handelswege neu beleben
IMAGO - Konferenz Zentral- und Südasien 2021 in Taschkent (20 Bilder)
SNA - Afghanistan-Konferenz: „Hinter den Kulissen handelt Usbekistan cleverer als der Westen" – Interview
Emirate-Nachrichtenagentur
Usbekischer Gesandter: Zentral- und Südasien-Konnektivität' wird helfen, den Handel mit der Golfregion, insbesondere den VAE, zu verbessern
KUN.uz - Shavkat Mirziyoyev calls on the conflicting parties in Afghanistan to compromise
KUN.uz - President Mirziyoyev names main factors leading Uzbekistan to organize the Tashkent conference
Uzbekistan Conference Attracts Global Interest in Central Asia

Ansprache des Usbekischen Außenministers: Abdulaziz Kamilov

Pressezentrum Taschkent

Tagungsteilnehmer - Internationale Konferenz „Zentral- und Südasien: regionale Konnektivität. Herausforderungen und Möglichkeiten“

Interview - Pressevertreter Volkert Neef

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Interview mit Dichter und Prosaschriftsteller Bakh Akhmedov

Bakh_Akhmedov Schriftsteller: Bakh Akhmedov

"Ich hoffe, wir rutschen nicht ins Mittelalter ab" - Dichter und Prosaschriftsteller Bakh Akhmedov

Wir sprachen mit dem berühmtesten taschkenischen Dichter Bakh Akhmedov über Literatur, wie man die moderne Generation fesselt, über eine neue pandemische Welt, Jugendprobleme, Islamisierung, den Kampf gegen den Obskurantismus, über russische und westliche Einflüsse in den Köpfen usbekischer Jungen und Mädchen.

Bakh Akhmedov, Prosaschriftsteller, Übersetzer, Kandidat der physikalischen und mathematischen Wissenschaften, Mitglied des Schriftstellerverbandes Usbekistans, Preisträger mehrerer internationaler Poesiewettbewerbe, darunter "Puschkin in Großbritannien" (2007).

Plov Press: Bakh, was ist jetzt neu in Ihrer Arbeit?

Bakh Achmedow: Ich schreibe regelmäßig Gedichte, Prosa - habe damit fast aufgehört. Aus offensichtlichen Gründen haben wir in Taschkent schon lange keine Literaturabende mehr veranstaltet. Meine letzte, wie man so schön sagt, Kollektion "Whisper" ist vor 2 Jahren erschienen. Die nächste Kollektion ist noch in Planung und ich habe noch nicht mit der aktiven Arbeit begonnen. Jetzt beschäftigt sich jeder mit einem Thema, was als nächstes in der Welt passieren wird. Eine Pandemie hat viele Folgen. Heute gibt es einen radikalen Wertewandel. Ehrlich gesagt hat mich das alles letztes Jahr, wie viele andere auch, in Depressionen getrieben. Ich habe mehrere Gedichte zu diesem Thema geschrieben, und sie sind ziemlich unbedeutend. Stimmt, ich wurde vor kurzem geimpft und etwas beruhigt, obwohl ich weiß, dass dies keine 100. Garantie für den Schutz vor dem Virus gibt. Aber sie machen sich weniger Sorgen um sich selbst als um ihre Lieben, und diese Aufregung ist viel schwieriger zu bewältigen.

Plov Press: Fehlt Ihnen die Live-Kommunikation mit Ihren Lesern?

Bakh Akhmedov: Natürlich vermissen wir Live-Kommunikation, das ist angenehmer. Früher hielten wir oft literarische Abende, Tagungen, Seminare und gingen zu Ausstellungen. Und jetzt hat alles aufgehört. Wir kommunizieren online miteinander: soziale Netzwerke, Messenger erlauben es. Aber es gibt sehr wenig Kontakt mit der Öffentlichkeit. In diesem Jahr, am 21. März, am Welttag der Poesie, gab es einen Poesie-Marathon – in Zuma lesen Dichter aus verschiedenen Ländern der Welt ein oder zwei Gedichte in verschiedenen Sprachen. Ich wurde auch eingeladen, an einer so ungewöhnlichen Aktion teilzunehmen. Ich denke, es war eine interessante Initiative.

Plov Press: Interessiert sich Ihrer Meinung nach die jüngere Generation heute für Literatur?

Bakh Achmedow: Das Gesamtbild einzuschätzen fällt mir schwer, da ich hauptsächlich mit „quietschenden" Jugendlichen kommuniziere. Mir scheint, junge Leute interessieren sich heute mehr für Literatur, die modern, dynamisch, spannend, mit Actionelementen oder im Fantasy-Genre geschrieben ist. Gleichzeitig glauben einige junge Leute, dass es nicht notwendig ist, die Klassiker zu lesen, es ist langweilig, dass man gut ohne sie leben kann. Wie kann man Tolstoi nicht lesen? -  fragen sie selbst. Sie antworten - nun, Puschkin hat Tolstoi nicht gelesen, Shakespeare hat ihn auch nicht gelesen - und nichts. Es gibt eifrige Buchleser, wahrscheinlich nicht viele. Es gibt auch Leute, die von Zeit zu Zeit lesen. Unsere Jugend ist ganz anders.

Plov Press: Was ist heutzutage in Mode zu lesen?

Bakh Achmedow: Schwer zu sagen, denn auch die Mode verändert sich ständig. Zum Beispiel habe ich großes Verständnis für einen so berühmten und "modischen" japanischen Autor wie Haruki Murakami, und meine jüngste Tochter, eine Studentin im Ausland, liest ihn auch. Jetzt lese ich den Roman "Die Eleganz eines Igels" der französischen Schriftstellerin Muriel Barbery. Soweit ich das verstanden habe, ist es auch bei jungen Leuten beliebt und gilt als Bestseller - dynamisch, aber nicht vordergründig, lesenswert. Darüber hinaus sind Namen moderner Schriftsteller wie Michel Houellebecq, Julian Barnes, Mario Vargas Llosa, Donna Tart und viele andere zu hören. Von den russischen Autoren würde ich vor allem Evgeny Vodolazkin und seinen wunderbaren Roman "Laurel" nennen. Dies ist ein sehr interessanter Autor. Was die Poesie angeht, so gibt es mittlerweile viele gute junge Dichter, und man kann sie nicht alle aufzählen.

Plov Press: Wie können Schriftsteller junge Menschen interessieren, wie oder was sollten sie schreiben, damit die moderne Generation ihre Werke liest?

Bakh Akhmedov: Autoren sollten versuchen, ehrlich und interessant zu schreiben, damit die jungen Leute sehen, dass sie ihnen nicht schmeicheln wollen. Natürlich ist es wünschenswert zu wissen, wie junge Menschen leben und atmen, aber das ist nicht immer einfach. Menschen verschiedener Generationen sind mit verschiedenen Filmen, Büchern aufgewachsen, sprechen vielleicht sogar verschiedene Sprachen, aber wir müssen nach Gemeinsamkeiten suchen.

Plov Press: Hat die Jugend von heute etwas Verbindendes, eine gemeinsame Idee?

Bakh Achmedow: Ich denke nicht. Jeder hat seinen eigenen Lebensstil, und das hilft jungen Menschen, sich freier von der allgemeinen Autorität zu fühlen, die über sie herrschen könnte. Jetzt suchen wir nach einer nationalen Idee, aber die Frage ist, wohin sie führt. Ich war zum Beispiel unangenehm überrascht von der jüngsten Nachricht, dass der Rektor unserer islamischen Universität zusammen mit seinen Mitarbeitern die Buchhandlungen der Stadt durchsuchte, um zu überprüfen, ob die verkauften Bücher der islamischen Kultur entsprachen. Insbesondere sagte der Rektor, dass Bücher mit Reproduktionen von Rembrandt und Leonardo da Vinci nicht unserer Mentalität entsprechen und entfernt werden sollten. Völlige Wildheit und Absurdität. Dann gilt es konsequent alle Museen zu schließen, alle Skulpturen aus der Stadt zu entfernen, denn auch jegliche Menschenbilder sind im Islam verboten. Ich fürchte, das ist erst der Anfang und wir werden vielleicht bald das Szenario erkennen, das Ray Bradbury in seinem berühmten dystopischen Roman "Fahrenheit 451" so anschaulich und eindrucksvoll beschrieben hat. Das ist natürlich sehr traurig.

Plov Press: Wie kann man Obskurantismus bekämpfen?

Bakh Achmedow: Schweigen Sie nicht. Drücken Sie Ihre Position aus. Wenn wir schweigen, werden die dunklen Mächte, sagen wir, ihr Territorium erweitern. Sie breiten sich nach und nach aus und erobern nach und nach den kulturellen Raum. Und eines Tages, das ist kein schöner Tag, werden es so viele sein, dass wir nicht mehr widerstehen können.

Plov Press: Junge Menschen sind heute freierals andere Generationen, meinen Sie?

Bakh Achmedow: Es kommt auf die Mentalität an, das haben wir vorher nicht gesagt, aber jetzt müssen wir es. Wenn wir die usbekische Jugend nehmen, ist das eine Sache, die europäisierte eine andere. Mir scheint, dass jetzt religiöse Führer einen starken Einfluss auf junge Menschen haben. Warum tragen zum Beispiel so viele Mädchen in der Stadt Hijabs?

Plov Press: Kann die Islamisierung etwas Positives mit sich bringen?

Bakh Achmedow: Natürlich ist der Islam eine friedliche Religion. Und der Wunsch der Menschen, zu ihren Ursprüngen zurückzukehren, ist für mich verständlich. Aber ich fürchte, dass nicht alle diese Leute die Grundlagen kennen. Viele haben den Koran wahrscheinlich noch nicht einmal aufgeschlagen, aber sie hören, was radikale Menschen ihnen einflößen. Dies beunruhigt mich sehr. Mir scheint, unser Staat muss sich entscheiden: Entweder sind wir ein säkularer Staat, dann ist die Religion getrennt und die säkulare Kultur (einschließlich der Literatur) ist getrennt; oder wir wählen einen anderen Weg, denn ein islamischer Staat ist eine ganz andere Ausrichtung. Wenn wir den Säkularismus verlieren, wird der Großteil der Bevölkerung Usbekistans ins Ausland gehen, denn nur wer mit einer solchen Lebensweise vollkommen zufrieden ist, wird in der Islamischen Republik leben können.

Plov Press: Woher kommen diese Tendenzen der Radikalisierung und Islamisierung der Jugend?

Bakh Achmedow: Von der Idee, zu den Ursprüngen zurückzukehren, zur Religion, wie sie sagen. Aber leider nimmt dies manchmal extreme Formen an, was erschreckend ist. Unsere Regierung sollte diesbezüglich nicht die Augen verschließen.

Plov Press: Sind soziale Netzwerke nicht ein Werkzeug in den Händen verschiedener Manipulatoren?

Bakh Achmedow: Es ist ein mächtiges Instrument der Einflussnahme. Inzwischen ist bereits eine ganze Generation entstanden, die mit sozialen Netzwerken geboren wurde und auf ihnen aufgewachsen ist. Sie haben, wie jedes Phänomen, ihre positiven und negativen Seiten. Die positive Seite ist, dass Menschen immer öfter miteinander kommunizieren können. Aber diese Kommunikation hat ein virtuelles Format. Wie meine Tochter einmal bemerkt hat, ruft jetzt niemand mehr an, sie schreiben nur an Instant Messenger. Aber auch soziale Medien können sehr gefährlich sein. Denken Sie daran, dass vor einigen Jahren das Spiel "Blue Whale" in den Netzwerken gespielt wurde, wo Teenager zum Selbstmord überredet wurden, und leider nicht ohne Erfolg: Es gab Opfer. Oder in sozialen Netzwerken agitieren manchmal junge Leute, um sich einigen Sekten anzuschließen oder irgendwelche terroristischen Ideen zu propagieren. Manchmal lese ich Kommentare auf Facebook, die von jungen Leuten geschrieben wurden, und es wird beängstigend, dass es unter der Jugend so viele aggressive und radikale Menschen gibt, die die totale Islamisierung aller Lebensbereiche befürworten. Sie akzeptieren absolut keinen anderen Standpunkt als ihren eigenen, und jeder, der ihnen in etwas nicht zustimmt, wird sofort als Feind registriert. Dies ist ein sehr beunruhigendes Zeichen! Schließlich sprechen wir von der jüngeren Generation. Sie sind einfacher zu handhaben, sie haben in ihrem Leben weniger gesehen und gelesen, sie können von allem inspiriert werden.

Plov Press: Können sie dem entgegenwirken, indem sie ernsthafte, tiefe Fiktion lesen?

Bakh Akhmedov: Natürlich ist es von großer Bedeutung, gute Literatur zu lesen, aber dennoch würde ich ihren Einfluss auf die Köpfe der modernen Jugend nicht überschätzen. Wie kann man widerstehen? Ich weiß nicht, vielleicht sollten mehr kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Plov Press: Was gefällt Ihnen an der aktuellen Generation nicht?

Bakh Achmedow: Es macht traurig, dass junge Leute keine Lust haben zu lesen, sich klassischer Literatur und Filmen von Weltklassikern anzuschließen. Fellini, Antonioni, Bertolucci, Tarkovsky waren für mich zu ihrer Zeit wie Götter. Von 85 bis 94 studierte ich in Moskau, an der Moskauer Staatlichen Universität, zu dieser Zeit begannen sie zu drucken und zu zeigen, was zuvor verboten war. In unserem Studentenwohnheim wurde zum Beispiel ein Filmclub organisiert, in dem Kultfilme westlicher Regisseure gezeigt wurden. Die Aufzeichnungen dieser Filme auf Videobändern waren oft von sehr schlechter Qualität, und trotzdem, wie es heute unter jungen Leuten üblich ist, haben sie uns "das Gehirn herausgerissen".

Plov Press: Was mögen Sie an jungen Leuten?

Bakh Akhmedov: Die meisten Jugendlichen sind innerlich frei. Sie sind in ihren Urteilen unabhängig, sie können ihren Standpunkt offen äußern, ohne die Konsequenzen zu befürchten.

Plov Press: Wie denken Sie über den westlichen und russischen Einfluss auf unsere Jugend?

Bakh Achmedow: Der Einfluss Russlands auf uns ist unbestreitbar. Es ist historisch und dauert bis heute an. Der Großteil der Bevölkerung Usbekistans kennt Russisch und schaut sich russische Nachrichten an. Auch westlicher Einfluss ist nicht zu leugnen. Jetzt gibt es eine scharfe Trennung zwischen dem Westen und Russland. In Russland war die Propaganda in letzter Zeit sehr stark, sie ist aggressiv und unhöflich. Unsere jungen Leute gehen in Russland arbeiten, arbeiten dort unter schwierigen Bedingungen, leben in Kasernen, bekommen ein mageres Gehalt, aber selbst dieser geringe Betrag ist für russische Verhältnisse viel höher als die Bezahlung der gleichen Arbeit in unserem Land. Und Arbeitsmigranten schaffen es, mit diesem Einkommen ihre Familien zu ernähren. Sie tun mir leid, aber sie haben keine andere Wahl.

Plov Press: Wie kann diese Situation korrigiert werden?

Bakh Achmedov: Ich möchte, dass die Leute in ihrer Heimat arbeiten und normales Geld verdienen. Aber das ist noch nicht möglich. Wir haben das Glück, dass wir eine Ausbildung haben, wir leben in der Hauptstadt, unsere Arbeit wird mehr oder weniger gut bezahlt. Und für diejenigen, die auf dem Land geboren wurden, ist es sehr schwierig. Es ist teuer, eine höhere Bildung zu erwerben, daher ist ein großer Teil der Bevölkerung der Republik Halbwissen.

Plov Press: Wovon träumen die jungen Leute Ihrer Meinung nach?

Bakh Achmedow: Jeder hat andere Träume, aber wenn man verallgemeinert, dann denke ich, über ein normales menschliches Leben, ein anständiges Gehalt, damit man ein anständiges Familienleben aufbauen und sicherstellen kann. Jemand träumt davon, ins Ausland zu gehen und dort zu bleiben. Ich versuche immer noch, ein Optimist zu sein und hoffe, dass sich in unserer Gesellschaft der gesunde Menschenverstand durchsetzt, wir nicht ins Mittelalter abrutschen und den gemeinsamen menschlichen Weg der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung gehen können.

Quelle/Foto: PLOV.press; Nadezhda Glebova

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Zeitgeschichte Online - Shukrullos Erinnerungen - Ein usbekisches Leben im 20. Jahrhundert
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Schutz des kulturellen Erbes in Usbekistan

SAMARKAND-Registan_gb Samarkand - Registan

Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) startet ein Projekt zum Schutz des kulturellen Erbes in Irak und Usbekistan

LMU-Archäologin Prof. Adelheid Otto startet mit drei internationalen Partnern die Bestandsaufnahme archäologischer Landschaften in Irak und Usbekistan, die durch Raubgrabungen, Siedlungsbau oder Staudammbauten akut gefährdet sind, und entwickelt nachhaltige Maßnahmen zu deren Schutz. Zu den besonders gefährdeten Kulturerbestätten gehört etwa die antike Stadt Ninive. Das Projekt wird von der Initiative "Global Challenges - Integrating Diverse Perspectives on Heritage and Change" gefördert.

Die Überreste der ehemals assyrischen Hauptstadt sind infolge der Besetzung durch den IS heute weitgehend zerstört. „Und die Zerstörung geht durch Baumaßnahmen weiter“, sagt Prof. Adelheid Otto. „Ninive war um 615 vor Christus die größte Stadt der Welt mit 150.000 Einwohnern. Sie ist eine der zentralen Stätten unseres kulturellen Erbes und wird Tag für Tag weiter zerstört.“

Internationale Zusammenarbeit zum Schutz des Kulturerbes

Im Rahmen des neuen Projekts wird die LMU-Archäologin das kulturelle Erbe in den beiden Ländern dokumentieren und Maßnahmen entwickeln, dieses zu schützen. Dazu zählt auch, bei der lokalen Bevölkerung ein Bewusstsein für diese Stätten kulturellen Erbes zu schaffen, etwa durch die Entwicklung von Apps. Dafür arbeitet sie mit Prof. Nicolò Marchetti von der Universität Bologna und den beiden Projektpartnern vor Ort, Prof. Khalid Salim Ismael, University of Mosul, Irak, und Dr. Farhod Maksudov, Uzbek Academy of Sciences, Usbekistan, zusammen.

Adelheid Otto forscht seit Jahren im Irak, eines ihrer aktuellen Projekte ist der Fundort Fara, eine im dritten Jahrtausend vor Christus wichtige Siedlung, wo Überlieferungen zufolge die Arche Noah gebaut worden sein soll. „Heute ist nicht mehr als ein Erdhügel zu sehen, der von Raubgrabungen gezeichnet ist. Aber darunter liegt eine der wichtigsten Städte der damaligen Welt. Ohne nachhaltige Schutzkonzepte ist dieser Ort ebenso wie die Mehrzahl der Kulturerbestätten akut gefährdet.“

Das Projekt KALAM. Analysis, protection and development of archaeological landscapes in Iraq and Uzbekistan through ICTs and community-based approaches" wird von der internationalen Initiative "Global Challenges - Integrating Diverse Perspectives on Heritage and Change" gefördert, zu der sich die VolkswagenStiftung, die Compagnia di San Paolo in Italien und der Riksbankens Jubileumsfond in Schweden zusammengeschlossen haben. Im Rahmen der Initiative "Global Challenges" werden acht internationale Projekte mit insgesamt elf Millionen Euro gefördert.

Kontakt:
Prof. Dr. Adelheid Otto Leiterin des Instituts für Vorderasiatische Archäologie 
Tel.: +49 (0)89 2180 - 5491; E-Mail: aotto(at)lmu.de

Pressekontakt:
Claudia Russo Leitung Kommunikation & Presse Ludwig-Maximilians-Universität München Leopoldstr. 3; 80802 München
Tel: +49 (0) 89 2180-3423; E-Mail: presse(at)lmu.de

Quelle: LMU, Titelbild: Samarkand - Registan; Foto: G. Birkl

Empfohlene LINKS:
LMU - Institut für Vorderasiatische Archäologie | Institut
Volkswagenstiftung
Uzbek Academy of Sciences

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Alexei Leontjewitsch Benois: Ein Architekt mit französischen Wurzeln in Zentralasien

Alexei Benois ließ sich 1874 als russischer Architekt französischer Abstammung in Taschkent nieder. Mittlerweile ist sein architektonisches Werk fester Bestandteil des usbekischen Kulturerbes.

Der 1838 in Sankt Petersburg geborene Alexei Leontjewitsch Benois entstammt der russischen Künstlerfamilie der Benois, die auf den Großvater von Alexei, auf Louis-Jules Benois zurückgeht. Dieser gelangte 1794 in Folge der Französischen Revolution an den Hof des Zaren Paul I. Wie schon vor ihm sein Onkel Nicolas Benois, wurde Alexei Architekt. Die Gebäude, die er im 19. und 20. Jahrhundert entwarf, prägen noch heute das Bild verschiedener usbekischer Städte, darunter auch der Hauptstadt Taschkent.

Nachdem Alexei Benois 1865 sein Studium an der Kaiserlichen Kunstakademie in Sankt Petersburg abgeschlossen hatte, erhielt er von Zar Alexander II. die Erlaubnis, im damaligen russischen Generalgouvernement Turkestan als Architekt zu arbeiten. Am 20. Juni 1874 wurde er durch ein Dekret dem Generalgouverneur in Taschkent unterstellt.

Zentralasien als Spielball der Großmächte
In der Mitte des 19. Jahrhunderts entbrannte zwischen Russland und Großbritannien ein geopolitischer Konflikt um die Vorherrschaft in Zentralasien. Dieser Konflikt wird in der Geschichtswissenschaft als 'Das Große Spiel' bezeichnet. Russland versuchte, sich die Bodenschätze Zentralasiens zu sichern und einen Zugang zum Indischen Ozean zu gewinnen. Die russische Expansion in Zentralasien begann 1852 und kulminierte in der Annexion des Khanats von Kokand.

Das Generalgouvernement von Turkestan wurde im Jahr 1867 gegründet. In den Verwaltungsbereich des Generalgouvernements fielen die Oblaste Syr-Darja und Semirjetschje. Alexei Benois begann seine Tätigkeit als Architekt in Turkestan zunächst in Taschkent, der Hauptstadt des Oblast Syr-Darja, mit der Mission, den kolonialen Herrschaftsanspruch Russlands zu untermauern.

Alexei Benois Hauptwerke
Unter Benois Bauwerken in Taschkent sind vor allem der Palast des Großfürsten Nikolai Konstantinowitsch Romanow sowie die Lutherische Kirche (Deutsche Kirche) im neogotischen Stil zu nennen. Der Palast wird heutzutage vom usbekischen Außenministerium als Empfangsgebäude genutzt. Neben der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Taschkent war Benois bei einer Reihe weiterer Kirchen in verschiedenen Dörfern des Oblasts Syr-Darja federführend.

Romanov Palast in Taschkent; Foto: WIKIPEDIA

Portal der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Taschkent (Deutsche Kirche); Foto: G. Birkl

Spuren von Benois Arbeit finden sich ebenfalls im Süden Kasachstans in Almaty, dem damaligen Werny. Neben Arbeiten, die allgemein der Entwicklung der jungen Stadt dienten, war der Architekt laut der russischen Webseite Nasledie für den Entwurf eines Parks, den Bau mehrere Kirchen und einer Schule verantwortlich.

Nicht weniger wichtig war seine Arbeit am Palast des Emirs von Buchara in Kogon. Fertiggestellt wurde er unter der Regentschaft von Said Abd al-Ahad Khan (1859-1911), der zu der Dynastie der Mangiten, der letzten Herrscherdynastie des Khanats von Buchara, gehörte. Nachdem das Emirat im 19. Jahrhundert unter die Herrschaft des Russischen Kaiserreichs geraten war, wurde es 1920 von den Bolschewiki zerschlagen.

Alexeis Benois Nachleben
In Europa ist Alexei Benois kaum bekannt. Im Gebiet des damaligen Turkistans hat er aber ein bemerkenswertes architektonisches Erbe hinterlassen, das die Größe des russischen Imperiums bezeugen sollte.

Palast des Emirs von Buchara
Viele seiner Bauwerke sind heute aus Mangel an Renovierungsarbeiten vom Zerfall bedroht. Die Webseite Briefe aus Taschkent stellte 2009 fest, dass die Schäden am Palast des Emirs von Buchara irreversibel zu werden drohen. Die Seite forderte, bisher vergeblich, die Aufnahme dieser „Perle russischer Architektur" in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Die usbekische Regierung hat inzwischen begonnen, sich damit auseinanderzusetzen: 2018 unterzeichnete das Staatsoberhaupt ein Dekret, dass es ausländischen Investoren erlaubt, ein Nutzungsrecht für das kulturelle Erbe des Landes zu erhalten.

Palast des Emirs von Buchara in KAGAN; Foto: WIKIPEDIA

Quelle: Novastan; Léo Friedrich für Novastan France

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Novastan: Architektur- und Kulturführer Taschkent: Wie eine Stadt sich neu erfindet und der Welt öffnet
WIKIPEDIA Alexeï Benois
WIKIPEDIA Romanow-Palast | Evangelisch Lutherische Kirche Taschkent

USBEKISTAN-ONLINE Beitrag: Deutsche Kirche Taschkent

UZBEKISTAN-TRAVEL Palast des Emirs von Buchara
ESLAM.de Kagan Palasts Buchara
Medium.com BUKHARA - An Undervalued Masterpiece
Uzbek Journeys KAGAN Palace near Bukhara
Centralasia-Travel Fotos: Palast in KAGAN
Nailizakon Historische Bilder KAGAN

USBEKISTAN-GALERIE • Romanov Palast Taschkent




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Licht am Ende des Tunnels - Deutsche Unternehmen in Zentralasien werden optimistischer

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Im Frühjahr wurden die deutschen Unternehmen in Kasachstan und Usbekistan gefragt, wie sie ihre Geschäftsaussichten und die konjunkturelle Lage in ihren Ländern einschätzen. Die jährliche Umfrage führten die Delegation der deutschen Wirtschaft in Zentralasien und der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft gemeinsam durch.

Die Stimmung der deutschen Unternehmen in Zentralasien hellt sich nach einem Jahr Pandemie und Shutdown weiter deutlich auf. Das zeigen Daten der aktuellen Geschäftsklimaumfrage, die die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft erhoben hat und am Montag auf einer gemeinsamen Online-Veranstaltung vorstellte.

Laut der Umfrage, an der sich im Frühjahr 57 Unternehmen aus Kasachstan und Usbekistan beteiligten, schätzten 49,1 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als „gut“ ein – mehr als doppelt so viele wie im Frühjahr 2020 (22,6 Prozent), als die erste entsprechende Umfrage unter dem Eindruck der Corona-Auswirkungen durchgeführt wurde. Der Anteil der Unternehmen, die die Frage mit „schlecht“ beantworteten, fiel im gleichen Zeitraum von 13,2 auf niedrige 3,5 Prozent. 47,4 Prozent bezeichneten die eigene Geschäftslage als „befriedigend“, während dieser Wert zuvor bei 64,2 Prozent gelegen hatte.

 Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen in Zentralasien. Abbildung: AHK Zentralasien

Und auch der Ausblick auf die kommenden 12 Monate passt. So sehen aktuell gerade einmal 8,8 Prozent der befragten Unternehmen eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage voraus, während es vor einem Jahr noch ganze 50,9 Prozent waren. Die große Mehrheit (52,6 Prozent) rechnet mit einer gleich bleibenden Entwicklung (zuvor: 26,4 Prozent), 38,6 Prozent sogar mit einer Verbesserung (zuvor: 22,6 Prozent). Allerdings blicken die Unternehmen in Kasachstan noch etwas optimistischer in die Zukunft als die im Nachbarland Usbekistan. Während hier 45,2 Prozent der Betriebe von einer Verbesserung der Geschäftslage ausgehen, sind es dort nur 30,8 Prozent. Allerdings sehen in Kasachstan mit 9,7 Prozent auch etwas mehr Befragte schlechtere Zeiten kommen als in Usbekistan (7,7 Prozent).

Mehr Investitionen und Beschäftigte

Aufgehellt haben sich laut der Umfrage auch die Konjunkturerwartungen deutscher Unternehmen in den beiden Ländern. Gingen hier im vergangenen Jahr noch knapp 70 Prozent von einer Verschlechterung aus, waren es in der Frühjahrsumfrage nur noch 17,5 Prozent. Im Lager der Optimisten gehen dagegen ein Drittel von einer Verbesserung aus, 8,8 Prozent sogar von einer deutlichen Verbesserung.

Angesichts dessen verwundert es nicht, dass mehr Unternehmen Investitionen in den beiden Ländern tätigen wollen als noch im Vorjahreszeitraum – wenngleich das Niveau noch immer unter dem vor Ausbruch der Pandemie liegt. Aktuell planen knapp 30 Prozent eine Erhöhung ihrer Investitionen, gegenüber 13,2 Prozent im Vorjahr. Zudem wollen aktuell 22,8 Prozent der Betriebe mehr Mitarbeiter einstellen, was mehr als einer Verdopplung gegenüber 2020 (9,4 Prozent) entspricht. Es sieht alles nach Wachstum aus", resümierte Eduard Kinsbruner, Regionaldirektor Zentralasien des Ost-Ausschusses, bei der Vorstellung der Zahlen.

Unternehmen nehmen Risiken anders wahr als zu Beginn der Pandemie

Ein gemischtes Bild geben dagegen die Risikobewertungen deutscher Unternehmen ab, die Hovsep Voskanyan, Delegierter der deutschen Wirtschaft für Zentralasien, vorstellte. Während der ölpreisbedingte Währungsabsturz und der Nachfrageeinbruch infolge von Grenzschließungen nun von weniger Unternehmen als Risiko gesehen wird, sorgen sich umso mehr um die Risikofaktoren Fachkräftemangel, Handelsbarrieren sowie Energie- und Rohstoffpreise. Tatsächlich notieren inzwischen die beiden wichtigsten Rohölsorten Brent und WTI sogar oberhalb des Niveaus vor Corona, während sich der Preis für Metalle wie Kupfer, aber auch für Baumaterial zuletzt phasenweise vervielfacht hatte (die DAZ berichtete).

Risikobewertungen deutscher Unternehmen in Zentralasien. Abbildung: AHK Zentralasien

Die Stabilisierung des Tenge in Kasachstan und die Möglichkeit einer anhaltenden Stärke ordnete Voskanyan dagegen als zwiespältig für die deutschen Unternehmen ein. Es komme darauf an, ob man für den lokalen Markt oder den Export produziere, und welcher Anteil der Vorprodukte aus dem Ausland eingeführt werden müsse. „Daher kann man hier nicht von einem einheitlichen Meinungsbild sprechen“, so Voskanyan.

Keine Rückkehr zur Normalität vor 2022

Einer entscheidenden Frage, die angesichts der alten und neuen Risikofaktoren im Zusammenhang mit Corona alle Unternehmen umtreibt, war ebenfalls Gegenstand Umfrage: Wann ist mit einer Konjunkturerholung und Rückkehr zur Normalität zu rechnen? Und hier zeigt sich durchaus ein gewisses Maß an Skepsis. Zwar rechnet eine deutliche relative Mehrheit von 47 Prozent der befragten Unternehmen immerhin damit, dass dies im Laufe des kommenden Jahres der Fall sein dürfte. Zugleich stimmten aber auch 28 Prozent der Aussage zu, eine konjunkturelle Erholung werde „länger dauern“. Nur 23 Prozent waren zum Zeitpunkt der Befragung so optimistisch, dass sie die Rückkehr zur Normalität schon für 2021 erwarteten.

Quelle/Titelbild: DAZ; Abbildungen: AHZ Zentralasien, Christoph Strauch
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Empfohlene LINKS:
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft
AHK Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien
AHK Geschäftsklimaumfrage Zeitraum der Umfrage: 29.03.-10.04.2021 (PDF)

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